Berlin Marathon 2016

Wenn man als Läufer Ende September in die Hauptstadt geht, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Berlin-Marathon der Grund dafür ist. So war es auch bei meiner Frau und mir. Wir hatten uns gut ein Jahr zuvor für einen Startplatz beworben und auch beide einen ergattert. Für mich war das bereits mein zweiter Start in Berlin und der achte Marathon insgesamt. Auch wenn meine Vorbereitung nicht wirklich gut war und ich auch mit keinen besonderen Ambitionen angereist war, hatte ich große Lust auf das Marathonwochenende. Ich mag die Stadt und ein Marathon ist nun mal immer etwas besonderes. Außerdem freute ich mich, dass meine Frau ebenfalls am Start sein würde. Der Berlin-Marathon war ein großer Wunsch von ihr und nach einigen Rückschlägen in der Vergangenheit war es schön, dass sie hier gut trainiert und gesund starten konnte.

Wir reisten bereits am Freitag früh mit dem Flieger an und besuchten an diesem Tag auch gleich die Messe, um unsere Startunterlagen abzuholen. Die Organisation war wirklich vorbildlich und so dauerte es nicht lange, bis wir alles erledigt hatten. Der anschließende Bummel über das Messegelände war okay, aber nichts besonders. Okay, mir würde aus dem Bauch heraus jetzt aber auch keine besondere Messe einfallen, die ich irgendwann besucht habe.

Am Samstag standen wir zeitig auf, um von unserem Hotel zum Schloss Charlottenburg zu fahren und am Frühstückslauf teilzunehmen. Der ist Teil des Rahmenprogramms und führt »Janz langsam« über eine Strecke von 5 Kilometern vom Schloss zum Olympiastadion, wo man mit einem Frühstück empfangen wird. Eine schöne Gelegenheit, um nochmals die Beine auszuschütteln und sich die Zeit zu vertreiben. Und nebenbei ist der Einlauf ins Olympiastadion auch ziemlich cool. Nach einem anschließenden Powernap im Hotel ging es gegen Abend noch einer privaten Pastaparty mit über dreißig Lauffreunden, die wir aus den sozialen Netzwerken kannten. Und dann war es auch schon fast soweit.

Der Wecker klingelte am Sonntag traditionell um fünf Uhr. Was dann folgte, ist mittlerweile Routine. Ein bewährtes und erprobtes süßes Frühstück, drölf mal die Toilette besucht und dann in die farbenfrohen Funktionstextilien gezwängt. Die S-Bahn brachte uns zum Hauptbahnhof und ein zehnminütiger Spaziergang von dort zum Startgelände. Dort gaben wir unsere Beutel mit den trockenen Kleidern ab und machten uns auf den Weg zu den Startblöcken. Natürlich nicht, ohne noch diverse Dixies zu besuchen, von denen es sehr viele gab. Es war zwar noch über eine Stunde bis zum Start, aber wir wollten gerne jeden Stress vermeiden.

Wir beide waren unterschiedlichen Startblöcken zugeordnet, was dazu führte, dass ich circa 10 Minuten vor meiner Frau startete. Sie wollte unbedingt unter 3:30 Stunden laufen und ich war davon überzeugt, dass das drin war. Bei mir selbst war ich noch nicht wirklich schlüssig. Ich wollte versuchen, den Kurs 3:30h anzugehen, und dann einfach mal schauen, wie lange das drin ist.

Gefühlt wartete ich eine Stunde im Startblock, bis sich der gewaltige Lindwurm aus fast 40000 Menschen in Bewegung setzte. Die ersten Meter waren langsam, aber das änderte sich schnell. Und dann war ich plötzlich über der Startlinie und im Rennen meines achten Marathons. Die ersten zehn Kilometer liefen richtig gut mit einem Schnitt von 4:40 – 4:50 min/km. Von dort bis hin zum Halbmarathon wurde es etwas anstrengender, aber trotzdem noch gut machbar. Nach ziemlich genau 1:45h hatte ich die Hälfte hinter mir. Dann geschah etwas, mit dem ich beim besten Willen nicht gerechnet hatte. Ein anderer Läufer machte mich darauf aufmerksam, dass an meinem Kragen eine Wespe saß. Als ich mein Shirt etwas schüttelte, um das Tier zu vertreiben, flog es darunter und stach mich zweimal in den Rücken.

Ich wusste durch einen Wespenstich aus dem vergangenen Jahr, dass ich glücklicherweise nicht allergisch bin. Aber schmerzhaft war es dennoch und irgendwie brachte mich die Sache aus dem Tritt. Shit happens. Neben den beiden Stichen merkte ich auf der zweiten Hälfte leider auch deutlich, dass mir einiges an Training fehlte. Die Beine wurden zunehmend schwerer und mir fehlte an diesem Tag schlicht die Bereitschaft, mich über Maßen zu quälen. Ohne ein konkretes und erstrebenswertes Ziel vor Augen entschied ich mich, etwas lockerer zu machen und einfach nur gut und ohne Schäden ins Ziel zu kommen.

Irgendwann war dann meine Frau neben mir. Mein ursprünglicher Vorsprung durch den anderen Startblock war also geschmolzen. Mich freute das, denn es sagte mir, dass sie auf Kurs war. Allerdings klagte sie auch darüber, dass es bei ihr nicht perfekt läuft. Ich lies sie ziehen und verlor sie darauf auch bald aus den Augen.

Mein restliches Rennen ging dann recht unspektakulär zu Ende. Die verbleibenden Kilometer wurden irgendwann einstellig. An km 30 warteten dann noch ein paar Bekannte mit einem wertvollen Power-Up Button, der mir Kraft für den Rest der Strecke schenkte. Nach einigen Kurven bog die Strecke schließlich auf die lange Zielgerade ein. Das Brandenburger Tor wurde sichtbar und kommt näher. Nach dem ich es passiert hatte, verflogen die restlichen 200 Meter wie im Fluge und ich überquerte nach 3:46 Stunden die Ziellinie. Mit der Zeit bin ich zufrieden. Mehr war definitiv nicht drin.

Nach dem Lauf machte ich mich auf den Weg zum Treffpunkt vor dem Reichstag, zu dem ich mich mit meiner Frau verabredet hatte. Eigentlich erwartete ich sie schon hier, da sie mich ja auf der Strecke überholt hatte. Allerdings war nichts von ihr zu sehen. In meinem Gehirn herrschte aber noch ein zu großer Sauerstoffmangel, um logische Schlüsse ziehen zu können. Daher legte ich mich erstmal auf die Wiese, zog meine Schuhe aus und machte mich über die Zielverpflegung her. Doch auch eine halbe Stunde später fehlte noch jede Spur von meiner Frau und so langsam machte ich mir Sorgen. Ich rätsle noch über meine Möglichkeiten, als ich sie endlich sehe.

Die Geschichte, die sie mir dann erzählt, ist krass. Nachdem sie sich auf der zweiten Hälfte des Rennens nicht mehr sehr gut gefühlt hatte, waren ihre Beine immer schwerer geworden. Auf den letzten Kilometern fühlten sie sich an, als ob sie aus Gummi gewesen sind. Und als sie dann nur noch 10 Meter vom Ziel entfernt war, brachen ihr einfach die Beine weg und sie kollabierte. Andere Läufer kamen ihr zur Hilfe und stützten sie. Obwohl sie völlig erschöpft war, bestand sie aber noch darauf, zunächst die die Ziellinie zu überqueren. That’s the spirit! Nebenbei war sie auch noch rund zehn Minuten schneller als ich.

Was bleibt, ist die Erinnerung an ein außergewöhnliches Wochenendende in der Hauptstadt. Vielleicht mit einer Nuance zuviel Drama, aber wie sagt man immer so schön: Ein Marathon bleibt immer ein Abenteuer.

Ich werde mich nun bis Mitte November dem Grundlagentraining widmen und anschließend für drei Wochen Urlaub in Thailand machen und ganz ohne Sport ausspannen. Danach beginnt dann beim Trainingsplan für die nächste Saison. Auch wenn das große Ziel Ironman France noch einige Monate in der Zukunft liegt, freue mich doch schon auf den Weg dorthin.

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