Berlin Marathon: der große Tag

Mein Marathontag begann um fünf Uhr morgens. Die vier Stunden vor dem Start brauche ich zum Frühstücken, um den Kreislauf richtig in Schwung zu bringen und natürlich rechtzeitig am Start zu sein. In den Tagen vor dem Marathon spürte ich schon, wie sich langsam eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität einstellte. So ein Marathon ist halt immer ein Abenteuer und nicht so berechenbar wie ein Wettkampf über 10 oder 21,1 Kilometer.

Außerdem steckte ich in einem kleinen Dilemma: Ich hatte mich auf Berlin viel weniger vorbereitet als im Frühjahr auf den Hamburg-Marathon. Der Grund dafür war die längere Verletzungspause nach Hamburg und meine Angst danach, das ich durch ein intensives Training gleich wieder gesundheitliche Probleme bekommen würde. In der Praxis sah das dann so aus, dass ich ohne richtigen Plan trainierte. Als grobe Richtschnur sah ich einen langen Lauf pro Woche vor, der in der Praxis leider oft kürzer als gedacht ausfiel. Dazu alle ein bis zwei Wochen Intervalle und / oder einen Tempodauerlauf. Meine Wochenkilometer lagen außer im September auch unter meinem Schnitt vom Frühjahr. Insofern war mir klar, das ich zum Ende hin Probleme bekommen würde könnte.

Gegen kurz nach Sieben machten wir uns von unserem Hotel am Alex auf in Richtung Startbereich am Reichstag. Hier war alles, nun ja, groß. Für 40.000 Starter braucht man nunmal eine große Infrastruktur. Trotz der vielen Teilnehmer ging alles relativ schnell voran. Eine Ausnahme bildeten erfahrungsgemäß die Dixies. Aber ich hatte mich glücklicherweise rechtzeitig angestellt und war dadurch auch rechtzeitig im Startblock. Durch meine Zeit aus dem Frühjahr war ich für den Block E (3:15-3:30) eingeteilt worden. Das entsprach auch meiner Ambition. Das Minimalziel, das ich mir gesetzt hatte, war 3:29:59. Idealerweise wollte ich aber schneller als 3:25 sein. Und ja, ganz im Hinterkopf stand natürlich auch noch eine 3:19, was einer neuen PB entsprochen hätte. Aber so ganz recht wollte ich da nicht daran glauben, dafür war die Vorbereitung einfach nicht gut genug.

Der Startschuss fiel und nach drei oder vier Minuten lief auch ich über die Startlinie. Die ersten drei Kilometer war es etwas schwierig, seinen Weg zu finden, da das Läuferfeld noch sehr dich beisammen war. Aber mit geschicktem Zickzack-Kurs ging es einigermaßen. Ich hatte mir das im Vorfeld eigentlich schwieriger vorgestellt. Von der Pace her orientierte ich mich im Bereich von 4:40 min/km. Ich wollte diese Geschwindigkeit so lange laufen, wie es mir möglich war und dann halt so langsam machen, wie es mir mein Körper diktieren würde. Das war natürlich auch ein gewisses Risiko, da ich mich dadurch übernehmen konnte und am Schluss vielleicht gehen musste. Aber ein gewisses Risiko muss man auch eingehen. Das macht die Sache spannend.

Ab km 25 wurde ich dann langsamer. Ich versuchte zunächst unter 4:50 min/km zu bleiben, was mir für einige Kilometer gelang. Aber leider gab es auch den ein oder anderen Kilometer über 5 min/km. Unterm Strich ist das aber halb so schlimm, weil ich ja damit gerechnet hatte. Positiv ist außerdem, das mir nur die Kraft ausgegangen ist und ich diesmal keine Muskelkrämpfe oder sonstigen Beschwerden währen dem Lauf hatte. Das war in anderen Wettkämpfen schon ganz anders.

Der Zieleinlauf durch das Brandenburger Tor lies mich die Erschöpfung dann erstmal vergessen. Das war einfach unglaublich. Wie übrigens das Publikum entlang der gesamten Strecke. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Grandios.

Ach ja, am Ende bin ich dann 3:24:23h gelaufen, was sogar noch ein kleines Bisschen besser als mein Idealziel war. Für mich also ein voller Erfolg. Ich habe aber gemerkt, dass so eine richtige Vorbereitung die vor allem auch richtig lange Läufe mit 35 km beinhaltet, eine feine Sache ist. Dass meine langen Läufe meist nur 30 km lang waren und zweimal auch darunter lagen, habe ich zum Ende hin gemerkt. Berlin, ich werde dich im kommenden Jahr wieder besuchen und dann wird die PB geknackt!

9 Comments

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen