Challenge Kraichgau 2013

 

AthletenarmbandUnd plötzlich war dieser 09. Juni da. Meine erste Halbdistanz. So ein halber Ironman hört sich für das fachfremde Ohr vielleicht nach einer halben Sache an. Mich hat er aber voll und ganz an meine Grenzen und vielleicht sogar wenige Zentimeter darüber hinaus gebracht. Ein wunderbares Gefühl. Aber alles der Reihe nach.

Vorspiel
Mein Wecker klingelte um fünf Uhr am Morgen und ich war schlagartig wach. Raceday! Frühstück, wach werden, den Kreislauf in Schwung bringen. Die übliche Prozedur.

Als wir gegen halb acht am Start parkten und gerade aus dem Auto ausgestiegen waren setzte ein ausgeprägter Platzregen ein. Also erstmal wieder zurück ins Auto. Die erste Startgruppe soll um 9 ins Wasser, meine Gruppe erst um 9:45. Genügend Zeit, damit sich das Wetter bessert. Also theoretisch. Praktisch sieht es aber ganz anders aus. Durch die Windschutzscheibe kann ich den Regen und grob zwei Gruppen von Athleten beobachten: Diejenigen, die in ihren Neos durch die Gegend laufen und die, die ihre Räder aus der Wechselzone schieben, um nach Hause zu fahren. Verstehen kann man beide. Zu diesem Zeitpunkt denke ich auch ernsthaft über meine Teilnahme nach. Der andauernde Platzregen ist ein erstklassiger Nährboden für Zweifel.

Rund eine halbe Stunde vor dem Start wird selbiger um dreissig Minuten verschoben. Der Veranstalter steht im Kontakt mit dem Wetteramt und verkündet, dass das Unwetter über uns hinwegziehen wird. Kurz darauf wird der Start dann nochmals um dreissig Minuten verschoben. Als sich der Starkregen zu einem Leichtregen entwickelte, verwarf ich den Gedanken, nicht zu starten. Eine Höchstleistung würde ich aber nicht bringen können. Allein schon wegen der nassen Straßen. Mein geheimes Ziel von einer Zielzeit unter 5:30h müsste daher waren. Einzig allein das gesunde Ankommen sollte zählen.

Swim – 37:52 min
Meine Startgruppe startet um 10:30 Uhr und wir konnten uns einige Minuten zuvor einschwimmen. Bevor ich ins Wasser ging, nahm ich noch schnell ein Gel zu mir. Das Wasser war erfreulich warm. Irgendwo las ich etwas von 19 Grad. Meine Strategie war einfach: Nicht überpacen und ohne große Klopperei durchkommen. Ich reihte mich am rechten Rand ein und wartete auf den Startschuss. Diese letzten Momente nutzte ich, um tief durchzuatmen und die Aufregung abzuschütteln. Und dann kam auch schon dieser Kanonenschuss, der auch schon die Startgruppen vor uns auf die Strecke geschickt hatte. Es ging los. Endlich. Keine Zeit für Aufregung oder fremde Gedanken. Die nächsten Stunden sollte der Alltag aus meinen Gedanken verschwinden.

Ich schwamm hauptsächlich im Dreierzug und versuchte lange und Züge zu machen. Dadurch wollte ich mich zwingen, die nötige Ruhe zu behalten und nicht zu überpacen. Die Strategie ging auf. Nach ein paar Minuten hatte ich meinen Rhythmus gefunden, dem ich für den Rest der Schwimmstrecke folgte. Das Schwimmen wurde nach rund einem Kilometer etwas erschwert, als meine Brille beschlug. Im Training macht sie das nie. Ich dachte kurz daran, mich auf den Rücken zu drehen und das gute Stück auszuspülen. Aber dann entschied ich mich dagegen und orientierte mich stattdessen an den Schwimmern vor mir. Das klappte soweit ganz gut. Und trotz des Nebels in meinem Blickfeld konnte ich die Bojen ganz gut erkennen. Zumindest, wenn ich mich bis auf 100 Meter genähert hatte.

Bei der gründlichen Vorbereitung hatte ich mir die Schwimmstrecke bzw. die Anzahl der Bojen falsch eingeprägt. Das führte dann dazu, dass nach Passieren der letzten Boje dachte, dass da noch eine weitere vor dem Schwimmausstieg kommt. Das stimmte aber nicht und so sehr ich Freiwasserschwimmen auch mag: Ich war nicht traurig über diesen Irrtum.

T1 – 2:58 min
Das Wasser wurde heller und dann war der Grund zu sehen. Direkt vor mir befand sich das schwarze Tor, das den Schwimmausstieg markierte. Ich stand auf und nach den ersten unsicheren Schritten ging es ab in Richtung der ersten Wechselzone. Unter den Zuschauern am Schwimmausstieg konnte ich meine Freundin erkennen. Nun, ich erkannte sie erst, nachdem sie meinen Namen gerufen hatte. Tunnelblick und so.

Der eigentliche Wechsel lief problemlos. Mein Körper flutschte geradezu aus dem Neo und ich hatte auch kein Problem, meinen Wechselbeutel zu finden. Da mein Rad am Ende der Wechselzone stand, nahm ich die Radschuhe in die Hand, um sie erst dort anzuziehen. Brille auf, Helm auf, Schuhe an und los.

Bike – 2:54:40 h
Die ersten zehn Kilometer der Strecke sind nahezu eben, sodass man schön drücken kann. Kette rechts eben. Das änderte sich im Land der tausend Hügel mehrfach, denn die namensgebenden Hügel forderten auch stellenweise Kette links von mir ein. Zum Glück kannte ich die Strecke aus dem Training, sodass ich bei den Anstiegen genau wusste, wie lange ich, ähm, den Anstieg genießen darf. Meine Strategie auf dem Rad war einfach: Viel trinken, genügend essen und so schnell wie möglich fahren.

Ich hatte an mein Bike eine Aerobottle montiert, die am Start gefüllt war. Bei jedem Versorgungspunkt schnappte ich mir eine Trinkflasche mit Iso und füllte sie in die Aerobottle um. Insgesamt gab es vier Verpflegungsstellen, sodass ich rund 3,5 Liter Iso in mich füllte. Um meinen Energiebedarf zu deckten, hatte ich drei Riegel in meiner Oberrohrtasche sowie eine Trinkflasche, in der ich 5 Gels in Wasser aufgelöst hatte. Ich aß alle 20 km einen Riegel und nahm alle 10 km einen großen Schluck aus der Gelflasche. Das klappte gut und mein Magen spielte ebenfalls mit.

Der dritte Teil meiner Strategie sah so aus, dass ich in der Ebene und in den Abfahrten viel Druck machte, um die langsamen Kletterpassagen zu kompensieren. Meine größte Sorge auf dem Rad war es, dass ich mich bergauf so kaputt mache, dass danach nichts mehr geht. Darum konzentrierte ich mich beim Klettern auf meinen Puls und mein subjektives Befinden und schaltete im Zweifel lieber einen Gang runter. Der Plan ging auf. Ich freute mich auf der Radstrecke übrigens über jeden Fahrer mit Zeitfahrad, den ich mit meinem Alu-Rennrad überholen konnte. Sowohl bergauf als auch auf der Ebene.

Die letzten drei Kilometer fuhr ich einen kleinen Gang mit hoher Drehzahl. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das die Beine lockert. Oder dass Profis das so machen. Und dann kann das ja nicht schaden, denn meine Beine waren zu diesem Zeitpunkt nichtmehr ganz frisch.

T2 – 1:19 min
In der zweiten Wechselzone wurde mir das Rad von einem Helfer abgenommen. Service wie bei den Profis. Der Rest des Wechsels lief dann analog zur ersten Wechselzone ab: Beutel schnappen, hinsetzten. Ein Helfer nahm meinen Beutel und leerte ihn vor mir aus. Während ich meine Laufschuhe anzog, wurden meine Radschuhe und mein Helm im Beutel verstaut. Service wie bei den Profis, aber das erwähnte ich ja schon.

Run – 1:46:44 h
Laufen, das ist meine Disziplin. Meine liebste Disziplin. Meine stärkste Disziplin. Im Training laufe ich einen Halbmarathon ohne große Anstrengung in einer Zeit zwischen 1:50 und 1:40 Stunden. Je nach Tagesform ist das GA1-GA2. Bei einem Triathlon spielt das mitunter aber keine Rolle.

Nach den ersten zwei oder drei Kilometern wusste ich, dass dies kein Zuckerschlecken werden würde. Konditionell fühlte ich mich den Umständen entsprechend noch ganz gut. Der Magen war ebenfalls in Ordnung. Bei meinen Oberschenkeln sah es schon ganz anders aus: die waren nämlich richtig müde. Am schlimmsten waren aber meine Füße. Ich konnte recht sicher spüren, dass sich an beiden Füßen Blasen bildeten. Mit knapp 18 Kilometern, die vor mir lagen, war das nicht unbedingt motivierend. Aber das half ja nichts. DNF is no option!

Und so wurde ich in jeder der drei Runden, die zu laufen waren, etwas langsamer. An den zahlreichen Verpflegungspunkten trank ich reichlich und nahm dankbar die nassen Schwämme, um mich damit zu erfrischen. Irgendwann muss sich dann der Autopilot eingestellt haben und die Kilometer wurden immer weniger. Die letzten beiden Kilometer lief ich dann aber wieder ganz bewusst. Ich spürte so eine Art Vorfreude auf das Ziel, die mich die Strapazen vergessen lies. Und dann war es auf einmal da: das Ziel. Das rote Challenge Tor. Ein geiles Gefühl. Nach dem Finish gratulierte mir noch ein Mitarbeiter der Challenge. Eine Frau hängte mir meine Medaille um. Ich bin körperlich total erledigt. Aber glücklich. Meine Gedanken drehen sich um drei Dinge: Freundin, Bier, Kuchen. In meinen kühnsten Träumen und best Case Berechnungen hatte ich an eine sub 5:30h gedacht. Am Ende sind es 5:23:32h geworden. Um es mit meinen Worten zu sagen: Mega!

Danach
Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Zum einen körperlich, zum anderen aber auch mental. Die Challenge hat mich in jeder Hinsicht an meine Grenzen gebracht und ich bin dankbar dafür. Das ist ja wie im Training: Um sich weiterzuentwickeln, muss man die Komfortzone verlassen. Außerdem hat mir die Challenge gezeigt, wo meine Stärken und Defizite liegen. Das ist ein wertvoller Input, um mein künftiges Training zu optimieren.

Und sonst? Die Halbdistanz hat mir mehr Spaß gemacht, als meine bisherigen kurzen Triathlons. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen beim Laufen. Ein Halbmarathon oder auch ein ganzer machen mir mehr Spaß als ein 10-km-Lauf. Vielleicht, weil man bei den längeren Distanzen in einem angenehmeren Pulsbereich unterwegs ist und ein gewisses strategisches Denken ins Spiel kommt.

Das Fernziel Langdistanz bleibt weiter bestehen, aber ich denke, dass ich dieses Abenteuer nicht vor 2015 angehe. Davor muss auf jeden Fall noch die 5h Grenze auf der halben Distanz fallen.

 

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