Challenge Kraichgau 2014: mein erstes DNF

Die Challenge Kraichgau sollte das große Highlight in diesem Frühjahr sein. Die letzten dreihundert Trainingsstunden seit Anfang des Jahres waren ganz klar darauf ausgerichtet. Ich wollte hier meinen großen Tag erleben. Die Bestzeit vom letzten Jahr sollte pulverisiert werden und als Ergebnis hatte ich mir mindestens eine Zeit unter 5:10 Stunden erhofft. Insgeheim träumte ich aber von einer Zeit unter fünf Stunden.

Das Schwimmen fühlte sich gut an. Ich startete aus der zweiten Reihe und kam recht schnell in meinen Rhythmus, ohne viele Schläge oder Tritte einzustecken. Dank meiner neuen Schwimmbrille und dem strahlenden Sonnenschein fiel mir in diesem Jahr auch die Orientierung leichter, sodass ich deutlich näher an den ausgeschriebenen 1900 Metern bleiben konnte. Bei meinem letzten Triathlon in Forst habe ich gemerkt, dass ich im Wettkampf etwas schneller schwimmen kann, ohne Probleme zu bekommen. Das wollte ich heute umsetzen. Als ich schon wieder in Richtung des Start- / Zielbereichs schwamm, konnte ich einen weiteren Startschuss hören. Das musste der Start der übernächsten Welle gewesen sein, da alle 15 Minuten eine Welle auf den Weg geschickt wurde. Ich war also exakt eine halbe Stunde im Wasser und konnte den Schwimmausstieg bereits sehen. Das motivierte mich, noch ein wenig draufzulegen und schließlich nach 35:59 Minuten aus dem Wasser zu steigen. Das ist ungefähr zwei Minuten schneller, als im letzten Jahr.

Der Wechsel aufs Rad lief nach Plan und auf den ersten zehn Kilometern konnte ich schon einige Leute einsammeln. Ich war motiviert und alles lief super. Bis mir etwa bei km 13 in Östringen die Kette vom Blatt sprang und sich dabei einige Kettenglieder verbogen. Was war passiert? So ganz genau kann ich das gar nicht sagen. Ich wollte bergauf aufs kleine Blatt schalten und dabei muss die gewaltige Power aus meinen Oberschenkeln ungünstig aufs Material gewirkt haben (das ist jedenfalls meine Theorie). Mir war natürlich nicht klar, das da genau passiert war. Ich dachte nur, dass eben die Kette runter ist. Also los, Hände schmutzig machen und die Kette wieder zurechtrücken. Als ich dann aber weiterfahren wollte, machte der Antrieb ganz ungewohnte Geräusche. Ich stieg also wieder ab und schaute mir das Problem nochmals genauer an. Und da sah ich, dass einige Kettenglieder verbogen, ja geradezu verdreht waren. In dem Moment realisierte ich, dass mein Rennen gelaufen war, und stoppte meine Uhr. DNF, wie man auch dazu sagt. Did not finish.

Gerne würde ich nun schreiben, dass ich zuversichtlich war, dass mir nichts passiert ist und das Leben ja weitergeht. Und das Leben wird auch sicher noch viele Wettkämpfe bereithalten. Aber ganz ehrlich: in dem Moment war ich einfach nur frustriert. Aber ich konnte mich jetzt auch nicht hängen lassen, denn meine Freundin wartete im Ziel auf mich, ich hatte kein Handy und befand mich außerdem ca. 6 km vom Ziel entfernt. Mit einem Rad, das nicht fuhr. (An dieser Stelle bitte dieses englische F-Wort einsetzten. Gerne mit Ausrufezeichen.)

Ok, kühlen Kopf bewahren. Also schnell ein paar nette Zuschauerinnen angesprochen und einen Handyanruf erbettelt, um meiner Freundin bescheid zu geben. Das war der einfache Teil. Der schwierige Teil war der Fußmarsch zum Ziel in Bad Schönborn. In Radschuhen. Als die Radschuhe unbequem wurden, ging ich barfuß weiter. Als ich dann Blasen hatte, zog ich die Radschuhe wieder an. Die waren ja eigentlich gar nicht so unbequem. Der Fußweg war vor allem hart, weil er an der Radstrecke entlang führte und ich mit jedem Athleten nochmals an meine Niederlage erinnert wurde. Irgendwann erreichte ich dann endlich Bad Schönborn. Zufälligerweise zeitgleich mit dem späteren Sieger Sebastian Kienle. Der war in der Zeit allerdings die kompletten 90 km gefahren und sich dabei einen Vorsprung von gut fünf Minuten verschafft. Like a Boss.

Vor Ort traf ich dann endlich meine Freundin. Sie durfte dann auf mein Bike aufpassen, während ich mich auf die Suche nach meinen drei Wechselbeuteln machte. An dieser Stelle ein großes Lob an den Organisator der Challenge. Mir wurde hier völlig unkompliziert und verständnisvoll geholfen.

Und damit endet meine Odyssee.

Nun ja, fast. Ich habe über die verschiedenen Kommunikationskanäle wie Email, SMS, Twitter, Facebook, etc. sicherlich über 50 Nachrichten von lieben Menschen erhalten, die mir mit mitgefiebert haben und die mir gut zusprachen. Das macht mich wirklich fertig, also im positiven Sinn und hat definitiv dazu beigetragen, dass der Frust und die Niedergeschlagenheit heute nicht Oberhand bei mir gewannen. Denn auch wenn ich jetzt zuversichtlich und optimistisch bin: Ich habe oben ja schon angedeutet, dass dies nicht die ganze Zeit der Fall war. Heute Nachmittag lief auch mal einem so harten Typen wie mir eine Träne über die Wange. Aber das gehört irgendwie zu unserem Sport dazu. Du kannst dich gut vorbereiten und hervorragend trainieren. Am Ende kommt es aber auf die ganzen unbekannten Faktoren an diesem einen Tag an. Das macht unseren Sport zu einem Abenteuer. Und vor allem zu allem anderen als langweilig. Ich freue mich schon auf den nächsten Wettkampf.

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