City Triathlon Heilbronn 2014

Ein kleiner Zeitsprung exakt eine Woche in die Vergangenheit: Ich befinde mich auf der Radstrecke bei der Challenge Kraichgau und muss wegen eines Materialschadens leider das Rennen vorzeitig beenden. Während die Tränen über das geplatzte Highlight im Frühjahr trocknen, suche ich mit meinem Smartphone bereits nach einer Ersatzveranstaltung in der nahen Zukunft. Die mühsam erarbeitete Form muss ja irgendwo auf die Strecke gebracht werden. Schließlich habe ich mich rund sieben Monate auf die Challenge vorbereitet.

Triathlon ist zum Glück keine absolute Randsportart mehr, aber kurzfristig einen Startplatz für eine Mitteldistanz zu bekommen ist dennoch etwas komplizierter, als spontan beim Volkslauf im Nachbardorf zu starten.

In solchen Situationen ist etwas Glück ganz hilfreich. Ich hatte das Glück, dass kurzfristig noch einige wenige Startplätze für den City Triathlon Heilbronn freigeworden waren und ich einen Platz für die etwas kürzere Mitteldistanz (2/70/15 km) bekommen konnte. Etwas kürzer als die Halbdistanz im Kraichgau, aber dank des profilierten Radkurses dennoch eine Herausforderung.

Mit Heilbronn verbinde ich drüber hinaus auch einige sehr schöne Erinnerungen. Ich habe nämlich damals in der Stadt am Neckar studiert und auch einige Jahre gelebt. Darum waren mir große Teile der Schwimm- und Laufstrecke auch noch in guter Erinnerung. Natürlich nicht von sportlichen Aktivitäten, sondern eher von gemächlichen Spaziergängen. Als Student war ich eher für meine 100 Kilo anstatt für 100 Wochenkilometer bekannt.

Vor dem Start
Die Woche über stand nicht mehr viel Training auf dem Programm. Ich verlängerte einfach meine bereits zweiwöchige Taperingphase um eine weitere Woche. Das bedeutete im wesentlichen mehrere kürzere Einheiten mit einem großen Anteil Grundlage und wenigen, aber knackigen Tempospitzen.

Ich fuhr bereits am Samstag nach Heilbronn, um meine Startunterlagen abzuholen und mein Rad einzuchecken. Und um mir die Örtlichkeiten anzusehen. Ich habe am Wettkampftag gerne so wenig Stress wie möglich.

Am Wettkampf waren neben meiner Freundin auch noch ein paar zusätzliche Fans an der Strecke, was mich sehr freute. Beim Laufen ist es doch immer wieder schön, vertraute Gesichter zu sehen.

Schwimmen – 2 km in 39:04 min
Eine absolute Premiere für mich! Ich bin bisher noch nie in einem Fluss geschwommen. Aber kann sich das so sehr von einem See unterscheiden? In der Ausschreibung stand, dass nach Möglichkeit ein Neoprenanzug mit langen Armen und Beinen empfohlen wird (sofern es die Temperatur erlaubt). Außerdem sollte das Verschlucken von Wasser vermieden werden. Ein wenige Tage vor dem Wettkampf angefertigtes Gutachten bestätigte zwar die einwandfreie Wasserqualität, aber einen gewissen Beigeschmack hatten die Empfehlungen dennoch.

Als ich in den Neckar stieg, war dann aber positiv überrascht. Der Fluss war relativ sauber und hatte keine starke Strömung. Ich habe im Nachhinein erfahren, dass die Wasserqualität in den Vorjahren teilweise viel schlechter gewesen sein soll. Insofern hatte ich wohl ein gutes Jahr erwischt. Beim Schwimmkurs handelte es sich um eine Wendepunktstrecke, bei der man die erste Hälfte gegen und die zweite mit der Strömung schwamm. Obwohl man vor dem Start die Strömung fast nicht wahrnehmen konnte, spürte man sie beim Schwimmen dann doch recht deutlich. Mir wurde das vor allem auf der zweiten Hälfte der Strecke klar, als alles plötzlich viel einfacher war. Leider konnte ich über die gesamten 2 km keinen brauchbaren Wasserschatten finden, sodass ich hier etwas langsamer als im Kraichgau war. Für mich ist die Zeit dennoch völlig im grünen Bereich.

T1 – 4:04
Die beiden Wechsel wurden nicht separat gestoppt. Die 4:04 min sind meine handgestoppte Zeit. Nun, was soll ich zum ersten Wechsel sagen? Über vier Minuten klingt erstmal sehr lange. Aber diese Zeit hat auch ihre Gründe. Zum einen war der Schwimmausstieg ziemlich schmal (und wurde teilweise von anderen Athleten blockiert, die dort in aller Seelenruhe ihren Neo auszogen), zum anderen war die Wechselzone fast schon unverschämt lang. Ok, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ist das sicher nicht anders zu regeln. Der Wechsel an sich ging ohne Probleme über die Bühne. Neo aus, Radschuhe an, Helm auf und ab zum Wechselbalken. Irgendwann muss ich mal diese coole Technik einstudieren, bei der man die Radschuhe mit Gummibändern am Rad fixiert und dann nur noch auf das Rad springt. Absolut essentiell für die perfekte B-Note!

Rad – 70 km in 2:09:03
Ich kannte die Strecke leider nur von einer Karte mit zugehörigem Höhenprofil. Das sah schön profiliert, aber nicht wirklich brutal aus. Und genauso war die Strecke dann auch. Viele Hügel, ab und an eine etwas knackigere Steigung und zwischendrin immer wieder flache Passagen, auf denen man mit viel Druck fahren konnte. Erinnerte mich an die Kraichgau-Runde, die ich im Training ein paar Mal gefahren war. Insgesamt warteten knapp 700 HM darauf, bezwungen zu werden.

Die Aufzeichnung zeigt an, dass ich insgesamt 38 km der Strecke mit einem Schnitt von über 40 km/h gefahren bin und das ist eine neue persönliche Bestleistung. Das spiegelt auch mein Empfinden auf der Radstrecke wieder. Ich konnte sehr viele andere Radfahrer überholen und teilweise auch Leute aus den beiden Startgruppen vor meiner eigenen einsammeln. Das motivierte mich unheimlich und führte dazu, dass ich teilweise über meinem persönlichen Limit fuhr und bei den längeren Steigungen auch mal die Oberschenkel etwas brannten. Ob das vernünftig war? Ich fuhr schließlich kein reines Radrennen und die zweite Wechselzone war nicht das Ziel.

Auf der Radstrecke gab es aber auch einige tragische Augenblicke. Etwa als bereits nach 10 Kilometern ein Teilnehmer sein Rad stadteinwärts schob. Da musste ich schlagartig an mich selbst, nur eine Woche zuvor denken. Sehr bitter! Obwohl ich den anderen nicht kannte, konnte ich nur zugut nachfühlen, was in dem Augenblick in seinem Kopf vorgehen mochte. Einen weiteren bitteren Moment erlebte ich, als ich einen anderen Athleten bei einem Streckenposten sah, der verzweifelt auf seinen Knöchel zeigte. Dort war allerdings nichts zu sehen. Auch kein Chip. Er hatte ihn wahrscheinlich irgendwo verloren. Ganz großer Mist.

Ich bin mir meiner Leistung auf dem Rad sehr zufrieden. Ein guter 32er Schnitt auf 70 profilierten Kilometern passt und hat mir gleichzeitig noch gezeigt, an welchen Stellen ich künftig arbeiten muss. Die Richtung stimmt und ich bin gespannt, was ich bis zum IRONMAN 70.3 Zell am See im August noch zulegen kann. Allerdings muss ich künftig stärker darauf achten, dass ich mich nicht zu sehr verausgabe. Vor allem an den Steigungen.

T2 – 2:56
Der zweite Wechsel lief auch ohne große Überraschungen ab. Ich freute mich aber, dass ich diesmal den größten Teil der langen Wechselzone in meinen Laufschuhen durchschreiten durfte. Das ist dann doch etwas bequemer als barfuß.

Lauf – 15 km in 1:12:38
Der letzte Akt des Wettkampfs ist nach wie vor meine liebste Disziplin, auch wenn das Schwimmen und vor allem das Radfahren mittlerweile sehr stark an Beliebtheit gewonnen haben. Die 15-km-Laufstrecke besteht in Heilbronn aus einem 5-km-Kurs, der dreimal zu durchlaufen ist. Davon führen 3 Kilometer am Neckar entlang. Dies ist ein relativ ruhiger Bereich, an dem zusätzlich viele Bäume stehen, die Schatten spenden. Die restlichen 2 Kilometer führen durch die Innenstadt und am Zielbereich vorbei. Dort war ziemlich viel Stimmung an der Strecke.

Im (Koppel-) Training der vergangenen Monate und meinem Triathlon in Forst habe ich gemerkt, dass ich mittlerweile auch im Triathlon schnell laufen kann. Das weckte die Hoffnung von einem schnellen Laufsplit. Die ersten beiden Kilometer fühlten sich auch noch ganz vielversprechend an, aber dann merkte ich, dass heute keine Top Laufzeit drin war. Mein Puls war zu hoch für die Geschwindigkeit und meine Beine waren zu müde, um schneller zu laufen. Ich schaffte es dann aber zum Glück noch, relativ konstant im mittleren bis oberen GA1 Bereich durchzulaufen und war nicht gezwungen, eine Gehpause einzulegen.

Auf jeder Runde kam ich an meinem kleinen Stimmungsnest vorbei, was mich nochmal zusätzlich motivierte. In der dritten Runde war ich dann aber dennoch froh, endlich ins Ziel abbiegen zu dürfen. Der Zieleinlauf war toll und wie immer waren diese letzten Meter völlig leicht und beschwerdefrei. Und es waren auch dieses Mal wieder die letzten Meter, die für alle Strapazen entschädigten!

Fazit
Der City Triathlon Heilbronn ist ein schönes Event, das top organisiert ist und tolle Strecken bietet. Ganz klar eine Empfehlung, auch wenn die Mitteldistanz etwas kürzer ist und preislich im oberen Mittelfeld angesiedelt ist.

In der Analyse nach dem Rennen und einem Gespräch mit meinem Trainer bin ich zu dem Schluss gekommen, dass auf der Laufstrecke wahrscheinlich verschiedenen Faktoren zusammengekommen sind. Ich habe mich auf der Radstrecke definitiv etwas übernommen und bin an den Steigungen mehrfach ins Laktat hineingefahren. Die Tatsache, dass ich gleich zu Beginn viele andere Radfahrer überholen konnte, hat mich zu stark motiviert. Und diese starke Motivation ließ mich ohne Rücksicht auf (die eigenen) Verluste fahren. Dazu später auf der Laufstrecke noch die warmen Temperaturen von rund 27 Grad und die fehlende Motivation, mich über Maßen zu quälen. Die Challenge Kraichgau sollte mein Highlight sein, auf das ich mich über Monate hinweg fokussiert hatte. Als das wegbrach, brach auch mental einiges weg, dass ich bis zum Wettkampf in Heilbronn nicht wieder völlig aufbauen konnte.

Das ist schade, denn der City Triathlon in Heilbronn hat alles, was ein Highlight braucht. Persönlich habe ich bei diesem Rennen viel gelernt. Ich werde zukünftig stärker darauf achten, dass ich mich auf dem Rad nicht bei den Steigungen zu sehr verausgabe und dadurch ins Laktat hineinfahre. Denn das bisschen Zeit, dass ich dadurch heraushole, bezahle ich später vielfach auf der Laufstrecke.

Genau das ist für mich ein Teil des Reizes, den der Triathlon auf mich ausübt. Es geht bei Weitem nicht nur darum, in einer Sportart möglichst schnell zu sein. Schließlich gibt es derer drei, die unmittelbar aufeinanderfolgen. Ich habe in Heilbronn meinen Körper wieder ein kleines bisschen besser kennengelernt und freue mich auf die nächste Gelegenheit. In drei Wochen in Ladenburg.

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