Die Schallmauer im Halbmarathon ist durchbrochen!

Ich habe eine besondere Beziehung zum Bienwald-Halbmarathon. Vor zwei Jahren bin ich dort meinen ersten Halbmarathon gelaufen, und wenn ich daran denke, schmerzen mir immer noch die Beine. Das war in der Vorbereitung auf meinen völlig unvernünftigen ersten Marathon. Aber der treue Leser weiß ja: Unvernunft kann ich. Mit ein wenig mehr Erfahrung habe ich die extrem flache und schnelle Strecke zu schätzen gelernt. Zusammen mit dem kleinen Starterfeld sind so sehr gute Zeiten und Standortbestimmungen am Anfang der Saison möglich.

Ich hatte für den heutigen Tag genau drei Ziele: Den Halbmarathon unter 1:30h laufen, Sven wieder treffen und Matthias kennenlernen, der extra aus Basel angereist war. Am Ende konnte ich wirklich alle drei Dinge erreichen, die Sache mit dem Laufen war allerdings viel anstrengender als angenommen.

Sven hatte im Vorfeld nicht genügend Zeit in seine Vorbereitungen investieren können, um seine aktuelle persönliche Bestzeit von 1:22h anzugreifen. Daher wollte er mit mir zusammen laufen. Für mich war das ein sehr glücklicher Umstand. Unsere Strategie bestand darin, einen Schnitt von 4:10 min/km zu laufen und je nach Verfassung ab km 18 die Geschwindigkeit zu verschärfen. Aber es kam natürlich alles etwas anders.

Die ersten Kilometer gingen wir ganz klassisch zu schnell an. Die Beine sind noch frisch, die Motivation ist grenzenlos, warum soll man sich denn da zurücknehmen? Wenn ich irgendwann einmal einen 5-km-Lauf laufen sollte, werde ich jedenfalls keinerlei Probleme mit der richtigen Strategie haben. Wir pendelten uns dann aber bei einer Pace von ungefähr 4:08 min/km ein. Das fühlte sich richtig gut an, und als ich nach 41:20 min die 10-km-Marke erreichte und damit nebenbei eine neue PB auf dieser Distanz packte, war ich sicher, dass ich die bisherige Geschwindigkeit bis zum Ende durchlaufen konnte. Leider änderte sich das nur wenige Kilometer später, als sich mein Magen-Darm-Trakt bemerkbar machte. Aus einem leichten Grummeln wurden schnell Krämpfe. Das war wirklich bitter, vor allem weil ich keine Ahnung hatte, was der Grund dafür sein konnte. Ich hatte am Vorabend nichts Exotisches oder Unbekanntes gegessen. Mir blieb nicht anderes übrig, als Geschwindigkeit herauszunehmen und ein paar Kilometer locker weiterzulaufen. Zum Glück hatten wir am Anfang Zeit gut gemacht und einen Puffer erlaufen, von dem ich nun zehren konnte. Mir schoss aber auch ernsthaft der Gedanke durch den Kopf, dass ich einfach aufgeben könnte. Dass ich das nicht tat, habe ich einzig und allein Sven zu verdanken, der mich in dieser Phase verbal ordentlich motiviert hat. Ohne ihn hätte ich das nicht gepackt. Und so kam es, dass ich den letzten Kilometer sogar noch in 4:04 min laufen konnte und meinen insgesamt sechsten Halbmarathon in 1:28:56h beenden konnte. Endlich ist die Schallmauer von 1:30h durchbrochen!

Ich habe heute nicht nur eine neue persönliche Bestzeit erlaufen, sondern auch viel gelernt. Laufen ist zu einem großen Teil Kopfsache. Auch wenn der Körper nicht mehr will, kann man noch einen weiteren Schritt machen. Und danach noch einen. Ich freue mich auf die Saison, die vor mir liegt und glaube, das ich in diesem Jahr noch ein paar schöne Zeiten packen kann. Und spätestens in einem Jahr gibt es eine neue persönliche Bestzeit in Kandel. Traditionen soll man ja pflegen.

14 Comments

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen