Halbmarathon in Kandel

Es ist Anfang März und seit mittlerweile fünf Jahren bedeutet das für mich, dass der Halbmarathon in Kandel ansteht. Hier bin ich im Jahre 2011 meinen ersten Halbmarathon gelaufen und hier habe ich 2013 meine immer noch bestehende persönliche Bestzeit aufgestellt. Kandel ist für mich einfach etwas Besonderes. Im letzten Jahr lief es für mich hier nicht sehr gut und der ganze Lauf war eigentlich eine Qual für mich. Das sollte dieses Jahr besser werden – und zum Großteil war es das auch.

Bis kurz vor dem Start war ich am überlegen, wie schnell ich anlaufen wollte. Ich liebäugelte mit einer neuen persönlichen Bestzeit unter 1:28 h, aber hatte gleichzeitig die Sorge, mich dabei zu übernehmen und die Sache dann total zu vergeigen. Mein aktueller Trainingszustand würde bei einem idealen Tag so eine Leistung zulassen, aber dazu  müsste auch wirklich alles passen. Daher wollte ich die Sache konservativ angehen. Mit einem Schnitt von 4:15 min/km anlaufen und dann nach ein paar Kilometern auf den Körper hören und gegebenenfalls noch etwas drauflegen.

Die ersten Kilometer lief ich wie ein Uhrwerk in 4:15 min/km und ich schaffte es auch tatsächlich, den ersten Kilometer nicht wieder schneller zu laufen. Leider kam dann beim vierten Kilometer eine kleine Überraschung, die ich so nicht geplant hatte: Seitenstechen, das neben meiner rechten Seite auch noch in die angrenzende Bauchmuskulatur strahlte und verdammt stark schmerzte. Am liebsten wäre ich stehen geblieben, und wenn das heute nur ein Training gewesen wäre, dann hätte ich es garantiert abgebrochen. Aber ein Wettkampf? Da steckt ja schließlich das Kämpfen schon im Namen drin. Ich kämpfte also mit mir und entschied mich, erstmal etwas Geschwindigkeit herauszunehmen. Zusätzlich erinnerte ich mich daran, dass ich irgendwann einmal irgendwo gelesen hatte, dass eine tiefe, ruhige Atmung in solchen Situationen helfen soll. Und so atmete ich tief und ruhig. Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich half oder ob ich das auch wirklich so gelesen hatte. Aber in dem Augenblick konnte ich mich da mental gut dran klammern und mich daran wieder motivieren. Heute würde es kein DNF von mir geben.

Die akuten Schmerzen hielten rund zwei Kilometer an. Danach wurde es besser und ich konnte wieder etwas schneller laufen. Allerdings hatte ich die gesamte Zeit über die Angst, dass das Stechen wiederkommt. Und so lief ich von da an vorsichtig weiter und versuchte zumindest, keinen Kilometer langsamer als 4:20 min/km zu laufen. Das gelang mir dann auch bei den meisten Kilometern. Am Ende erreichte ich das Ziel in 1:31:28 Stunden und damit in meiner bisher zweitschnellsten Zeit.

Direkt nach dem Rennen sah ich das Resultat mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich ärgerte es mich, dass nicht alles glatt gelaufen war und ich eine mögliche Verbesserung meiner bisherigen Bestmarke schon in einer frühen Phase des Rennens abschreiben musste. Auf der anderen Seite war ich auch mit vielen Aspekten zufrieden. Mit einigen Tagen Abstand überwiegen die positiven Aspekte deutlich. Ich glaube, ich habe das Beste aus der Situation gemacht und einiges gelernt. Jeder Wettkampf ist eben ein kleines Abenteuer, bei dem es immer Faktoren gibt, die man nicht kontrollieren kann. Das macht aber auch einen Teil der Faszination aus.

Und so hilft nichts, als im nächsten Jahr wieder nach Kandel zu kommen und wieder zu laufen. Die tolle Organisation und die schöne Strecke machen diese Entscheidung aber auch sehr leicht.

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