Ironman 70.3 St. Pölten 2017

Zur Sicherheit musste ich in meinem Kalender nachsehen. Ja, tatsächlich: Meine letzte Mitteldistanz war 2014. In den beiden Jahren danach lief es bei mir nicht wie geplant, sodass ich einige geplante Starts leider absagen musste. Höchste Zeit also, um endlich mal wieder zu schauen, wie es bei mir auf der halben Distanz läuft und ob ich meine alte Bestzeit von 2013 vielleicht verbessern kann.
Meine Anmeldung für den Ironman 70.3 St. Pölten erfolgte im letzten Herbst relativ spontan zusammen mit zwei Bekannten. Ich war damals auf der Suche nach einem Vorbereitungswettkampf für den Ironman Zürich und St. Pölten passte da Mitte Mai einfach gut in den Kalender. Insgeheim war mein Ziel damals aber auf jeden Fall die alte Zeit aus 2013 zu knacken…

21. Mai 2017, 7:10 Uhr. Ich stehe im Neo vor dem See und zittere am ganzen Körper. Nicht vor Nervosität, sondern vor Kälte. Die Luft hat vielleicht 10 Grad Celsius und der anhaltende Regen macht es nicht gerade angenehmer. In zwanzig Minuten soll mein Start für den Ironman 70.3 St. Pölten erfolgen und ich kann es nicht erwarten, mich endlich in den See zu stürzen. Die 18 Grad Wassertemperatur sind sehr verlockend. In den verbleibenden Minuten vor dem Start lasse ich mir viele Dinge durch den Kopf gehen. Vielleicht hilft die Ablenkung ja ein wenig über äußeren Bedingungen hinweg.

Ich hatte in den letzten Wochen oft Zweifel und war mir bis zuletzt nicht sicher, mit welcher Einstellung ich hier an den Start gehen soll. War mein Training bisher gut? Habe ich alles richtig gemacht? Und wie ist eigentlich mein aktueller Trainingsstand? St. Pölten sollte meine Messlatte werden. Dazu kommt, dass ich in den letzten Jahren eigentlich fast keinen Triathlon gemacht habe, bei dem alles richtig gut lief. Vor allem beim Laufen klappte es selten wie gedacht. Insofern war ich sehr gespannt, wie es heute laufen würde. Im Hinterkopf drängten sich zwar Gedanken, die das schlechte Wetter für ein vermeidlich schlechtes Abschneiden verantwortlich machen wollten, aber das blendete ich, so gut es ging aus. Ein Rennen ist nun mal ein Rennen.

Mein Start rückte näher und ich ging auf den Schwimmeinstieg zu. In St. Pölten gibt es einen sog. Rolling Start, der es den Athleten erlaubt, einzeln zu starten. Durch die Nettozeitmessung läuft die persönliche Uhr erst, sobald man die Zeitmessmatte am Start überschreitet. Im Vergleich zum klassischen Massenstart entzerrt das die erste Disziplin enorm. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Modus gerade für schwache und / oder ängstliche Schwimmer sehr angenehm ist.

Das Schwimmen verlief für mich ganz angenehm. Ohne die gewohnte Hektik eines Massenstarts war es ungewohnt ruhig im Wasser. Ich konnte kontinuierlich andere Schwimmer überholen, war aber sehr überrascht, dass es an der Boje keinen Tumult gab. Nach 1000 Metern ging es schon zum Ausstieg des Sees. Denn die weltweit einmalige Attraktion vom 70.3 in St. Pölten besteht darin, dass man hier in zwei Seen schwimmt. Der Landgang ist rund 250 Meter lang. Leider gab es am Einstieg des zweiten Sees einen kleinen Stau, sodass ich dort etwas Zeit verloren habe. Im zweiten See waren dann nochmal 900 Meter zu bewältigen, bevor es dann aus dem Wasser heraus in Richtung Wechselzone ging. Diese war ebenfalls etwas Besonderes, befand es sich innerhalb der NV Arena, dem Fußballstadion des österreichischen Bundesligisten SKN St. Pölten.

Nach dem Wechsel auf das Rad hieß es erstmal Kette rechts. Am Anfang der Radstrecke geht es nämlich auf die Autobahn. Ja, das ist kein Schreibfehler: Man fährt etwa 20 km dort, wo man sonst nie fahren darf. Ich weiß nicht, ob es an der Autobahn lag, aber auf dieser Teilstrecke zeigte der Tacho sehr oft mehr als 40 km/h an. Es machte Spaß, auf der breiten Fahrbahn andere Teilnehmer zu überholen. Nach dieser per Definition schnellen Strecke ging es landschaftlich reizvoll weiter. Leider war einem ein weiter Blick wegen des schlechten Wetters verwehrt. Der anfängliche Regen ließ zwar nach, aber es lag dennoch die ganze Zeit ein dicker Dunst in der Luft. Abgesehen davon war der Rest der Strecke sehr kurzweilig. Teils, weil ich kontinuierlich überholen konnte (eine schlechte Schwimmzeit muss ja für irgendwas gut sein), teils weil die Abfahrten nach den drei wesentlichen Anstiegen mit der verminderten Bremskraft von nassen Carbon-Laufrädern immer einen besonderen Nervenkitzel mitbringt. Nach rund 2:50 Stunden war der Spaß auch schon vorbei und es stand wieder ein langer Weg durch die Wechselzone an.

Und plötzlich war ich in meinen Laufschuhen und auf der ersten von zwei Runden, die es zu absolvieren galt. Das Laufen war in den letzten Jahren fast immer der Knackpunkt bei mir. Mal machte der Magen Probleme, mal bekam ich Krämpfe, mal war ich einfach zu platt. Daher war ich unheimlich gespannt, wie es diesmal werden würde. Im Vorfeld hatte ich eigentlich ein ganz gutes Gefühl, denn das Lauftraining der vergangenen Wochen und Monate war ganz gut gewesen. Aber im Wettkampf gelten natürlich andere Regeln. Und eine davon besagte in meinem Fall, dass die kühlen Temperaturen auf dem Bike dazu geführt hatten, dass mein Fuß derart unterkühlt war, dass er sich auf den ersten zehn Kilometern der Laufstrecke quasi tot stellte und ich nur ein diffuses, eingeschlafenes Gefühl spürte. Das irritierte mich dezent. Aber was solls. Ich konnte ja wohl kaum anhalten und warten, bis wieder alles auf Betriebstemperatur ist. Auf der zweiten Runde kehrte dann auch wieder das Gefühl zurück und dazu auch noch ein dezentes Ziehen im Fußgelenk. Wahrscheinlich hatte ich beim vorherigen Laufen nicht genügend Gefühl (hahaha), um bei jedem Schritt auch so richtig schön aufzutreten. Mit anderen Worten: Auf der ersten Runde lief ich biomechanisch nicht so hundertprozentig sauber. Irgendwann war dann auch diese zweite und letzte Runde zu ende und ich auf der letzten, langen Gerade vor der Finish Line.

Fazit: Ich bin mit meiner Leistung unterm Strich zufrieden. Das Training in den vergangenen Monaten hat größtenteils gepasst und ich fühle mich auf einem guten Weg hin zum Saisonziel Ironman Switzerland Ende Juli. Das Rennen in St. Pölten gab mir aber auch Gelegenheit, in der Analyse danach noch einige Dinge zu identifizieren, an denen ich arbeiten muss. Stillstand ist ja aber auch langweilig. Zu guter Letzt konnte ich auch noch meine bisherige Bestzeit auf der Mitteldistanz um knapp zwei Minuten verbessern. Unter den deutlich härteren Bedingungen ist das ein Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden sein kann.

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