Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun 2014

Als ich im vergangen Jahr nach einer Mitteldistanz für Ende August 2014 suchte, blieb ich schnell beim Ironman 70.3 Zell am See hängen. Ich entscheide viele Dinge intuitiv und nach Gefühl und die Bilder der Landschaft rund um Zell am See ließen mich schnell meine Entscheidung fällen: Ja, da musst du hin. Neben der überragenden Optik fand ich ganz am Rand auch das Detail der recht flachen Radstrecke interessant. Bei einer guten Endzeit interessiert sich am Ende keiner für die Höhenmeter der Strecke.

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Nur der Nebel verbirgt die Schönheit der Landschaft

In dem knappen Jahr zwischen meiner Anmeldung blieb die Zeit natürlich nicht stehen. Zell am See wurde zum Austragungsort der 70.3 WM 2015 nominiert und bekam zur Feier eine neue Radstrecke spendiert, die ihre Premiere bereits zur Generalprobe 2014 haben durfte. Wie es sich für eine weltmeisterliche Strecke gehört (vermute ich einfach mal) bestand diese nun nur noch aus einer großen Runde mit einem rund 13 km langen Anstieg am Filzensattel am Hochkönig. Das würde die Strecke sicherlich nicht weniger schön machen.

Was allerdings in den Tagen und Wochen vor dem Wettkampf ein Problem wurde, war der Sommer 2014. Nach den heißen Tagen im Juni und Juli präsentierte sich der August wie ein verfrühter November mit unangenehm viel Regen. Wie es die Tradition erfordert, checkte ich in der Woche vor dem Rennen stündlich die Wetterberichte auf den verschiednen Portalen und Apps. Es zeichnete sich ein kühles und nasses Rennen ab. Man sagt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, aber ich hatte mich spätestens am Mittwoch mental auf ein Schlechtwetterrennen eingestellt. Das drückte ganz schön auf meine Motivation und wäre der

Wettkampf nicht mit einer Reise und einem bereits gebuchten Hotel verbunden gewesen, dann hätte ich ein DNS vielleicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Es war aber nicht so und darum zog ich meinen Plan durch.

Leider wirklich so kalt, wie es das Bild vermittelt
Leider wirklich so kalt, wie es das Bild vermittelt

Die Anreise erfolgte schon am Freitag mit dem Auto und das war eine gute Entscheidung. Aufgrund vieler Unfälle, Staus, Baustellen und Schlechtwetter zog sich die Fahrt nämlich über sechs Stunden hin. Das war länger als ich gedacht hatte und so verpasste am Freitagabend wegen vier Minuten die Ausgabe meiner Startunterlagen an der Registrierung. Kurz geärgert, dann traf ich aber Ludwig und seine Familie. Zusammen gingen wir zur Kasnockenparty und wohnten der Eröffnungsfeier des Ironman Wochenendes bei.

Am Samstag bekam ich dann endlich meine Startunterlagen und erwarb bei dieser Gelegenheit direkt ein original Ironman Regencape, um dem Platzregen zu trotzen. Am Nachmittag stand dann der Bike Check-In an. Die Abfertigung ging schnell und unkompliziert vonstatten. Die Wechselzone bestand zum Großteil aus einer Wiese, die aufgrund des starken Regens der letzen Tage sehr matschig war. Das konnte ja ein Spaß werden! Wegen des Wetters packte ich auch zum ersten Mal Armlinge, Windweste und Socken in meinen Radbeutel.

Regencapes in der Wechselzone
Regencapes in der Wechselzone

Und dann war der große Tag da. Startschuss um zehn, Weckerklingeln um sechs. Die Stunden vor dem Start verlaufen bei mir mittlerweile recht automatisch ab. Knapp zwei Stunden vor dem Start war ich in der Wechselzone und machte mein Bike fertig. Reifendruck nochmals checken, Trinkflaschen und Riegel befestigen, Wege einprägen. Die Wege waren wirklich lang. Laut meiner GPS Uhr betrugen sie rund 500 Meter pro Wechsel.

Irgendwie fehlte mir die Nervosität, die ich sonst vor einem Start habe. Lag vielleicht daran, dass ich mir wegen des Wetters immer wieder sagte, dass es heute in erster Linie um das sichere Ankommen ging. Bei dem angekündigten starken Regen war sowieso keine Bestzeit drin. Ich wollte vor dem Regen unbedingt die steile und lange Abfahrt vom Hochkönig herunter geschafft haben. Die war nämlich auch bei perfektem Wetter schon anspruchsvoll genug. Und dann ging alles auf einmal ganz schnell. Ungefähr drei bis fünf Mal aufs Dixie, in den Neo gezwungen und ab zum Startbereich.

Schwimmen – 36:57 min
Mit dem Startschuss kam dann auch das Renngefühl – und es fühlte sich super an. Ganz im Gegensatz zum See, der mit rund 17 Grad Celsius richtig frisch war. Das Schwimmen klappte ganz gut, aber ich glaube, dass mich die Temperatur etwas Zeit gekostet hat. Laut meiner Uhr bin ich auch wieder leicht von der Idealroute abgewichen und knapp über zwei Kilometer geschwommen. Da liegt noch Optimierungspotential drin, aber ich bin in diesem Jahr ziemlich zufrieden, dass ich die Strecke ohne konditionelle Probleme oder Unsicherheiten schwimmen kann. Das sah im letzten Jahr noch ganz anders aus.

Wechsel 1 – 5:46 min
Aus dem Eiswasser entstiegen ging es zielstrebig in die Wechselzone. Ich hatte dann erstmal ein paar Probleme, meinen Beutel zu bekommen, da ich ihn nicht auf Anhieb fand. Das kalte Wasser hatte mich vielleicht ein bisschen durcheinandergebracht.
Mit dem Beutel in der Hand ging es dann aber ins überfüllte Wechselzelt, in dem ich mir einen Platz auf einer Bank suchte und mich erstmal aus dem Neo schälte. Dann machte ich mich mit Radweste, Armlingen und Radschuhen für die anstehende Regenschlacht bereit.

Der Weg vom Wechselzelt zum Rad und von dort zum Ausgang der Wechselzone zog sich ziemlich lange und die weiche Konsistenz des ehemaligen Rasens machte das Laufen nicht unbedingt leichter.

Rad – 2:53:53 h
Ab aufs Rad und gleich kräftig reintreten. Die ersten 20 km der Strecke waren ziemlich flach – und trocken. Dann wurde man durch ein Schild darauf aufmerksam gemacht, dass nun die nächsten 13 km die Mercedes V-Class Bergwertung anstand. Der langgezogene Anstieg war anspruchsvoll, aber machbar. Auf dem letzten Kilometer wurde einem dann nochmal kräftig mit bis zu 14% Steigung eingeschenkt. Diese 13 Kilometer waren dann auch erwartungsgemäß mein langsamster Abschnitt auf der ganzen Strecke. Direkt nach dem höchsten Punkt der Strecke folgte die langgezogene und kurvige Abfahrt. Ein halsbrecherischer Kurs, den ich mit beiden Händen an den Bremsen hinter mich brachte. Ich bewundere ja insgeheim die Fahrer, die mich während der Abfahrt mit einem richtig hohen Tempo überholt haben. Da gehört wirklich eine Qualität von Können und Mut dazu, die mir noch fehlt.

Kurz nach der Abfahrt fing dann auch der Regen an. Das muss ungefähr bei km 45 gewesen sein. Und mit Regen ist natürlich kein feiner Niesel sondern ein prächtiger Platzregen gemeint. Stellenweise stand das Wasser sicher mehr als 5 cm auf der Strecke. Für mich war das absolutes Neuland, da ich bei einem solchen Wetter bisher noch nie mit dem Zeitfahrrad, bzw. dem Rennrad unterwegs war. Zum Glück hatte ich wenigstens die Abfahrt hinter mir. Dennoch nahm ich ab hier etwas Geschwindigkeit heraus und ging auf Nummer sicher. Bei den Rahmenbedingungen war ich am Ende mit meiner Zeit zufrieden. Ich bin nicht am Limit gefahren und hatte auch vom Puls her noch Luft nach oben. Und mit ihren rund 900 HM war die Strecke ja auch nicht völlig anspruchslos.

Wechsel 2 – 4:26 min
Der zweite Wechsel war etwas schneller, aber im Grunde gelten hier dieselben Dinge, wie beim ersten Wechsel. Der Regen hatte nachgelassen, sodass ich mir Armlinge und Weste auszog und nur noch eine Kappe als Schutz gegen einen eventuell wieder aufkeimenden Regen aufsetze.

Lauf – 1:48:50 h
Die ersten fünf Kilometer lag ich dann mit einem Schnitt von 4:45 min/km auch noch super in meinem Plan. Und dass, obwohl ich beinahe vom ersten Schritt an Krämpfe in meiner rechten Körperseite hatte. Aber die wurden einfach wegignoriert. Nach den eingangs erwähnten fünf Kilometern spürte ich dann aber Schmerzen in beiden Fußsohlen, die auf Blasen hindeuteten. Was sollte das denn? Ich hatte mir in T1 doch extra und zum ersten Mal Socken angezogen, damit ich dieses Mal keine Probleme mit Blasen bekomme. Das machte nun jeden Schritt nicht unbedingt einfacher. Ich hakte meinen Plan ab und versuchte von dem Zeitpunkt an, einfach so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen. Bis es soweit war, musste ich allerdings noch zwei Runden entlang des Zellersees laufen und in der Mitte jeder Runde einen schönen langgezogenen Anstieg mitnehmen. Perfekt, wenn man nicht so gut auftreten kann.

Zum Glück geht so ein Halbmarathon ja bekanntlich immer und es zahlt sich definitiv aus, wenn man im Training jede Woche einen davon läuft. Nach knappen fünfeinhalb Stunden bog ich in den Zielkanal ein und beendete meinen letzten Triathlon in diesem Jahr. Und auch bei diesem Finish wusste ich wieder ganz genau, warum ich diesen Sport liebe: Weil er einfach geil ist.

Fazit
Ein bezwungener Wettkampf ist ein guter Wettkampf. Zell am See hätte ein perfekter Wettkampf werden können, wenn das Wetter gepasst hatte. Leider war dies nun das dritte Jahr in Folge, in dem der Sommer für das Rennen eine Pause eingelegt hatte. Das ist wirklich schade, denn die Landschaft, die man hinter dem Nebel und Regen erahnen konnte, ist wunderschön und eine tolle Kulisse für einen spektakulären Triathlon.

Das war übrigens mein erster Wettkampf im Ausland und zugleich mein erstes Rennen der Ironman Serie. Man merkte der Veranstaltung ihre amerikanischen Wurzeln schon deutlich an. Ich fand das nicht schlimm, aber ich verstehe nun Leute, die damit nichts anfangen können. Ist halt eine ganz andere Atmosphäre als bei unabhängigen Rennen oder beispielsweise der Challenge Serie. Dies bezieht sich aber aus meiner Sicht nur auf das ganze Drumherum. Das Rennen an sich unterschied sich nicht wirklich von anderen professionellen Rennen.

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