Jahreswechsel auf Lanzarote

Das Leben lässt sich manchmal genauso wenig vorausplanen wie der Verlauf eines Ironmans. Darum ist es hier wie dort wichtig, dann man einen kühlen Kopf behält und nach einem Plan B greift. Und wenn der nicht passt, gibt es ja noch 25 weitere Buchstaben.

In meinem Fall hat es sich ergeben, dass ich im vergangenen Jahr relativ kurzfristig keine Lust hatte, die Feiertage bei Raclette und Kerzenlicht in der kühlen und finsteren Heimat zu verbringen. Auf der Suche nach einer Alternative kam ich relativ schnell auf die Kanaren. In den letzten Jahren verbrachte ich da auf Teneriffa und Fuerteventura tolle Zeiten und auf Lanzarote bestritt ich vor zwei Jahren meinen ersten Ironman. Die Erinnerungen daran sind immer noch sehr schön. Nun ja, für Fuerteventura hatte ich allerdings schon im Sommer ein zweiwöchiges Trainingslager für Mitte Februar gebucht. Ein Luxusproblem, aber zum Glück kein unlösbares. Ich entschied mich ohne lange darüber nachzudenken für Lanzarote. Damals hatte ich die Insel nicht wirklich wahrgenommen. Die Anspannung vor und die Erschöpfung nach dem Ironman hatten mir nicht viel Zeit gelassen, um Lanzarote wirklich kennenzulernen. Das wollte ich gerne nachholen.

Die beiden Wochen auf der Insel wollte ich natürlich auch zum Trainieren nutzen, diesmal aber ohne ein organisiertes Camp. Einfach, um flexibler zu sein und mehr Ruhe zu haben. So ein Jahresende kann ja auch mit Sonne und Palmen ganz besinnlich sein. Ich buchte mir kurzerhand einen Flug mit Radtransport ab Frankfurt und anschließend ein Apartment im Sands Beach Resort in Costa Tenguise. Bei der Unterkunft war mir nur wichtig, dass es dort eine Möglichkeit zum Schwimmen gibt. Im Sands Beach bekam ich zusätzlich noch eine Unterkunft mit einer kleinen Küche, was mir auch gefiel. Hotelbuffet ist in der Regel ja nicht so geil, wenn man mal vom Playitas auf Fuerteventura absieht.

Für mich erwies sich diese Entscheidung als goldrichtig. Lanzarote bietet unheimlich gute Bedingungen zum Radfahren, sodass man ohne Guide oder große Planungen beliebige Touren fahren kann. Ich habe mir meist nach dem Frühstück mit Hilfe des Strava Routenplaners eine Tour zusammengeklickt und auf den Garmin Edge geladen. So mache ich es in der Heimat auch. Auf Lanzarote funktionierte das nicht zu 100% perfekt, da der Routenplaner hier auch immer wieder mal eine Staubpiste integrierte, die mit dem Rennrad nicht fahrbar war. Durch die überschaubare Größe der Insel das recht gute Straßennetz bedeutete das für mich aber nie einen sehr großen Umweg. Insofern passte das. Wenn man sich von der Hauptstadt Arrecife und den stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen LZ-1 und LZ-2 fernhält, dann ist das Radfahren sehr angenehm. Wenig dichter Verkehr und sehr rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer. Wo hier in Deutschland auch gerne mit 20 cm Abstand und Tempo 120 auf der Landstraße direkt vor einer Kuppe überholt wird, war es auf Lanzarote für fast alle selbstverständlich, einen vernünftigen Abstand zu halten und im Zweifel auch mal zu warten. Das macht wirklich Laune.

Laufen passte ebenfalls. Entweder direkt auf der Strandpromenade oder auf Staub- und Geröllpisten – entweder direkt an der Küste oder im Hinterland. Dieses Geröll ist für einen unerfahrenen Trailrunner (wie ich einer bin) technisch teilweise ganz schön herausfordernd. Teilweise auch überfordernd, was bei mir zu einem Sturz inklusive Salto geführt hat. Neben einem großen Schrecken kam ich zum Glück mit Schürfwunden an Wade, Po, Schulterblatt und Wirbelsäule davon. Keine Ahnung, wie ich da genau gestürzt bin, aber die B-Note muss der Hammer gewesen sein. Schade, dass weit und breit niemand da war, der das gesehen haben könnte.

Zum Schwimmen war ich immer im 20m Becken, dass zum Sands Beach gehörte und dass ohne zusätzliche Kosten oder Reservierungen benutzt werden konnte. In der Theorie wollte ich da immer vor dem Frühstück meine Bahnen ziehen, in der Praxis schlief ich immer recht lang und war selten vor 17 Uhr schwimmen. Ich hatte jedes Mal eine Bahn für mich alleine und teilweise war ich sogar der einzige Schwimmer im ganzen Becken. Das mag daran liegen, dass die Zeit zum Jahreswechsel vielleicht eher Pauschaltouristen lockt. Mich hat es jedenfalls gefreut, so entspannt schwimmen zu können.

Neben dem ganzen Training war Lanzarote aber auch ideal, um einfach mal auszuspannen und die Gedanken treiben zu lassen. Sei es auf der Terrasse, am Strand oder in einer der zahlreichen Beach Bars. Diese Insel ist wirklich ein Schmuckstück und irgendwie hatten diese landschaftliche Schönheit, das sehr angenehme Klima und und die Freundlichkeit der Menschen eine sehr positive Wirkung auf mich. Denn trotz 63 Stunden Trainings kam ich nach den beiden Wochen entspannter nach Deutschland zurück, als ich fortgegangen war.

Ich kann Lanzarote für ein Trainingslager nur empfehlen. Egal ob allein oder in einer Gruppe. Die Insel bietet hervorragende Möglichkeiten zum Radfahren und lässt sich auf eigene Faust gut erkunden. Durch die überschaubare Größe ist die Gefahr, sich ernsthaft zu verfahren sehr gering. Ich war sicherlich nicht zum letzten Mal hier.

Für die Statistik noch ein paar Zahlen von den beiden Wochen:

  • Schwimmen: 17 km
  • Radfahren: 1074 km
  • Laufen: 80 km
  • Sonstiges: 3,5h
  • Gesamtaufwand: 63h

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