Pläne ändern sich

Manche Entscheidungen sind sehr schwer. Aber wenn man sie erstmal getroffen hat, weiß man tief in sich, dass man das Richtige getan hat. Ich habe am vergangenen Wochenende eine solche Entscheidung getroffen, die meine sportlichen Pläne für dieses Jahr betrifft.

In den vergangenen Monaten merkte ich, wie sich eine Unlust und ständige Müdigkeit in mein Leben eingeschlichen hat. Ich tat, was jeder Triathlet in einer solchen Situation tut: Ich ignorierte es. Mit genügend Disziplin funktioniert das auch eine Weile relativ gut. Kleine Motivationslöcher, die immer wieder vorkommen, kann man damit hervorragend kompensieren. Das konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mir das Training stetig mehr anstrengte. Vor allem beim Lauftraining, das ja stets meine favorisierte Disziplin war, fiel es mir plötzlich schwer, mich zu motivieren. Auch den Frühsport vernachlässigte ich immer öfter.

Der Grund dafür lässt sich nicht so einfach und klar benennen. Es sind verschiedene Dinge, die hier zusammengekommen sind. Im letzten halben Jahr hatte ich privat und beruflich ziemlich viel Stress. Ein Jobwechsel und die Tatsache, dass meine Frau seit einigen Wochen beruflich von Sonntag bis Freitag in einer anderen Stadt ist, sind nur zwei Beispiele. Es ist ja keine neue Erkenntnis, dass sich Stress und Schlafmangel negativ auf das Wohlbefinden auswirken.

In der vergangenen Woche hatte ich dann noch einen kleinen Unfall.  Bei einer lockeren Ausfahrt mit dem Rennrad übersah ich ein Schlagloch und stürzt in der Folge. An sich keine große Sache. Ich hatte nur ein paar leichte Kratzer abbekommen (das Rad keine) und konnte danach noch ohne Probleme eine Stunde nach Hause fahren. Dort merkte ich dann aber, dass sich mein Handgelenk komisch anfühlt. Der Arztbesuch am darauffolgenden Tag brachte mir dann die Gewissheit, dass ich mir einen Knochen im Handgelenk angebrochen habe. Das bedeutet, dass ich erstmal eine Orthese tragen muss, um das Gelenk zu stabilisieren. In zwei bis drei Wochen sollte alles wieder in Ordnung sein. Aufgrund einer früheren Verletzung konnte man auf dem Röntgenbild leider nicht genau erkennen, wie schlimm es ist. Deswegen warte ich jetzt das Ergebnis einer MRT-Untersuchung ab, um Gewissheit zu haben.

Nach dem Unfall dachte ich natürlich sofort darüber nach, was das für meine sportliche Saisonplanung bedeutet. Schwimmen und Radfahren kann ich erstmal nicht, aber Laufen und Spinning sind erlaubt. Reicht das, um die Form zu halten? Kann ich drei Wochen ohne das Training im Wasser wieder ausgleichen?

Die Antwort darauf ist einfach: ja klar. Aber dann stellte ich mir die Frage, ob das eigentlich das ist, was ich will. Will ich in der aktuellen Situation mit noch mehr (selbstauferlegtem) Druck weitermachen? Will ich wirklich nur in Frankfurt das Ziel erreichen, egal was es kostet? Oder will ich diesen wunderbaren Sport ausüben, weil er mir Spaß macht?

Und da musste ich mir eingestehen, dass der Spaß in den letzten Monaten zu großen Teilen auf der Strecke blieb und ich halt aus Routine meine 50 Stunden im Monat trainiert habe. Aber so weiterzumachen macht für mich im Moment keinerlei Sinn. Darum habe ich für mich persönlich den Ironman 70.3 Kraichgau und den Ironman Frankfurt gestrichen. Keine leichte Entscheidung, aber ich bin sicher, dass es die richtige ist.

Ich werde mir jetzt etwas Ruhe gönnen, gesund werden und mich um die Dinge kümmern, die momentan meine Aufmerksamkeit benötigen und an den Wochenenden die lange Radeinheit gegen Zeit mit meiner Frau tauschen.

Ich glaube, dass ich eine kurze Pause brauche, um wieder den Spaß am Sport zu finden. Und dann ist die Motivation fürs Training und große Ziele sicher nicht mehr weit. Denn eines ist mir klar: Ausdauersport und vor allem Triathlon ist schon ziemlich geil. Aber für ambitionierte Vorhaben wie eine Langdistanz muss eben alles passen. Und das ist neben der Gesundheit eben auch die notwenige Zeit und der Kopf für die Sache. Und im Prinzip ist es bei mir diesmal an allen drei Faktoren gescheitert. Das ist eine intensive Erfahrung. Sollte ich im nächsten Jahr eine Langdistanz beenden, dann werde ich an diesen Moment sicher zurückdenken.

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