Rache für Hamburg: der Baden-Marathon 2011

Gestern stand mein zweiter Marathon auf dem Programm. Der Baden-Marathon in Karlsruhe bot sich ja wegen der räumlichen Nähe geradezu an. Für mich war im Vorfeld klar, dass ich wahrscheinlich nicht mein absolut beste Leistung bringen kann, da mir durch meinen Unfall mit dem Rennrad einige Trainingseinheiten ausgefallen sind. Dennoch wollte ich mich ernsthaft an den Lauf heranwagen und vor allen zwei Dinge erreichen:

  1. Lessons Learned aus meinem ersten Marathon in Hamburg umsetzen.
  2. Endlich sub 4:00 laufen.

Diesmal wird alles besser
Unter dem ersten Punkt verstehe ich einige Dinge, die ich bei meinem Debüt als sehr störend empfand:

  • rutschender/zwickender/unbequemer/störender Pulsgurt
  • Gelpackungen, die aus den Halterungen des Tragegurts rutschen
  • Startnummernband: die Nummer riss irgendwann an der gelochten Stelle ein und ich hatte von dort an Sorge, sie zu verlieren
  • viel zu schneller Start

Für mich bedeutete dies, dass ich für den Baden-Marathon meinen Pulsgurt zuhause ließ. Ich messe beim Training gerne meinen Puls, um dadurch mein Gefühl abzugleichen und in den richtigen Pulszonen zu trainieren. Während eines Wettkampfs habe ich aber noch nie meinen aktuellen Puls kontrolliert. Darum habe ich diesmal auf den Gurt verzichtet und es war im Nachhinein eine gute Entscheidung.

Den nächsten Punkt habe ich ganz pragmatisch mit einigen Streifen Kreppband gelöst, indem ich mein Gel mit demselbigen in den Halterungen meines Gurts fixiert habe. Der Vorteil von diesem Kreppband ist, dass es sich sehr leicht zerreißen lässt und man das Gel trotz der „Sicherung“ leicht entnehmen kann. Ich bin momentan aber am überlegen, ob ich mir nicht einmal so eine Gelflasche näher ansehe.

Ein Startnummernband finde ich sehr praktisch und ich trage es gerne bei kürzeren Läufen. Bei meinem Marathon in Hamburg hatte ich es auch benutzt, aber irgendwann bei km 30 oder so riss mir das eine Befestigungsloch aus ich hatte Sorge, meine Nummer zu verlieren. Daher habe ich meine Startnummer diesmal mit den üblichen Sicherheitsnadeln auf meinem Shirt befestigt. Das hielt ohne Probleme und auf meiner Brust hat sich auch nichts wund gerieben wegen der Sicherheitsnadeln.

Der zu schnelle Start ist ja leider ein Klassiker, den ich auch diesmal nicht ganz verhindern konnte. Auf den ersten 5 km entsprach meine gefühlte Pace immer viel weniger dem Wert, den mir mein Forerunner anzeigte.

Rache für Hamburg?
Seit Mai hatte ich mit der Distanz von 42,195 km eine Rechnung offen. Die verdammten magischen vier Stunden wollten unterboten werden. In Hamburg klappte das aus meiner heutigen Sicht aus zwei Gründen nicht:

  • ich war sehr aufgeregt, schließlich war dies mein erster Marathon
  • es war unerwartet heiß

Vor allem die 28 Grad machten mir damals sehr zu schaffen. Die Hitze war diesmal aber kein Problem und die Aufregung war diesmal beim meinem Hausmarathon auch nicht so stark wie im Mai. Das waren doch die besten Voraussetzungen.

Der 29. Fiducia Baden Marathon
Um halb sechs klingelte mein Wecker und kurz vor sechs stand ich auf. Das erste Geräusch, dass ich wahrnahm war Regen. Na super. Es waren ja noch drei Stunden bis zum Start. Nach dem Frühstück machte brach ich gegen sieben Uhr auf in Richtung Start. Begleitet wurde ich von meiner Freundin, die jedesmal sehr froh ist, wenn sie wegen mir so früh aufstehen darf 😉

Der Regen variierte in seiner Intensität. Teils hörte er fast auf, nur um dann wieder herabzuprasseln. Zum Glück erinnerte ich mich am morgen noch daran, dass von einem Besuch im Open-Air Theater noch einen Regenponcho übrig hatte. Die Abgabe des Kleiderbeutels verlief auch ohne Probleme. Das Einzige, das mich ein wenig sorgte, war meine linke Wade, die ein wenig verspannt war.

Kurz vor dem Start lies der Regen dann auch endlich nach, so dass ich mich meines Ponchos entledigen konnte. Zum Glück, denn unter dem atmunsinaktiven Material schwitzt man ganz enorm.

Die ersten 10 km gingen sehr schnell vorbei. Das lag nicht unbedingt an den 54 Minuten, die ich dafür gebaucht habe. Aber 10 km sind für mich mittlerweile keine herausfordernde Distanz mehr. Zumindest, wenn es sich um die ersten 10 km handelt 🙂 Ich achtete vor allem während der ersten fünf km recht oft auf meine aktuelle Pace, um nicht zu schnell zu laufen. Das Rennen war ja schließlich nicht bei km 10 zu Ende. Beim Verpflegungspunkt irgendwo zwischen km 8 und 10 nahm ich ein erstes Gel und reichlich Wasser zu mit.

Die nächsten Kilometer gingen auch noch recht gut von der Hand, bzw. vom Bein. Bei km 14 wartete meine Freundin auf mich, um mich mit einem Plakat anzufeuern. Yeah! Das motiviert!

Die halbe Distanz erreichte ich in 1:54:36 was Gleichzeitig eine neue Bestzeit im HM für mich darstellt. Diese erste Hälfte lief sehr gut. Ich hätte schneller laufen können, aber ich achtete darauf, meine Kräfte einzuteilen. Denn schließlich lagen noch gut 21 km vor mir. Und ein Marathon fängt ja auch erst im letzen Drittel richtig an. Zur Halbzeit gab es ein weiteres Gel. Ich fühlte mich motiviert und war sehr zuversichtlich. Aber natürlich zeigten sich auch ganz langsam und schleichen Ermüdungserscheinungen in den Beinen. Ich versuchte aber dennoch, meine vorgenommene Zeit beizubehalten. Leider mekte ich, dass das nicht hundertprozentig klappte. Wenn es aber schon nicht die Planzeit sein würde, dann zumindest kein Pace mit einer führenden „6“! Ungefähr bei km 24 und 28 nahm ich jeweils ein weiteres Gel zu mir.

Kurz nach km 28 wartet dann noch einmal meine Freundin an der Strecke und schoss ein Beweisfoto. Abgesehen von den langsam immer schwerer werdenden Beinen ging es mir zu diesem Zeitpunkt aber noch recht gut. Einige Kilometer später kam dann schon das Karlsruher Schloss in Sichtweite, was die letze Etappe des Marathons ankündigte. Nach einer gefühlt mäanderförmigen Runde durch den Schlossgarten brachen die letzten sechs km an. Meine Beine hatten sich in einem Zustand eingependelt, der nicht optimal aber ok war. Ich wusste, dass ich die letzten kilometer laufen konnte. Und ich wusste, dass noch eine Zeit unterhalb von vier Stunden realistisch war.

Auf den letzen Metern blickte ich dann noch einmal auf meine Uhr und war mir sicher, dass ich mein Ziel geschafft hatte. Die offizielle Zeit waren 3:58:01 und somit gut 19 Minuten weniger als im Mai in Hamburg. Ich bin mir allerdings auch im Klaren, dass ein großer Teil dieser Verbesserung dem Wetter geschuldet ist. Aber schön ist es dennoch!

Fazit
Für mich war der Baden Marathon aus sportlicher Sicht ein voller Erfolg. Ich konnte sowohl meine Halbmarathon- als auch meine Marathonzeit deutlich verbessern und hatte nicht so einen extremen Leistungseinbruch wie in Hamburg. Wenn ich beide Veranstaltungen miteinander vergleiche, dann gibt es aber schon deutliche Unterschiede. Vor allem was die Stimmung an der Stecke angeht. In Hamburg waren richtige Menschenmengen entlang der Strecke versammelt. In Karlsruhe waren die Zuschauer eher spärlich gesät. Das kann aber auch am Wetter gelegen haben, das für interessierte Zuschauer wenig einladend war. Abgesehen davon war das Preis-/Leistungsverhältnis vom Baden Marathon für mich natürlich viel besser als beim Hamburg Marathon. Neben dem geringeren Startgeld (bei dem sogar ein Shirt inklusive war), hatte ich keine Kosten für die Anreise und die Unterkunft. Daher: durch die örtliche Nähe würde sich der Baden Marathon nächstes Jahr wieder anbieten. Eine lange Anreise würde ich dafür aber nicht in Kauf nehmen.

Aber jetzt ist in sechs Wochen erstmal Frankfurt dran! Und die 3:50 als nächstes Ziel!

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