Rotterdam Marathon 2015

Manchmal kommt es anders, als man plant. Den Spruch kennt jeder und im Zusammenhang mit dem Sport ist er oft negativ belegt. So auch in diesem Fall. Als sich meine Frau und ich im letzten Jahr für Rotterdam anmeldeten, hatten wir einen klaren Plan vor Augen. Sie wollte ihre persönliche Bestzeit brechen und ich wollte sie dabei begleiten. Ihr Training verlief gut und Anfang des Jahres traute ich ihr eine Zeit von 3:30 Stunden oder sogar weniger ohne weiteres zu.

Aber manchmal kommt es eben anders, als man plant. In diesem Fall machten sich Schmerzen im Bereich des Beckens bemerkbar, die nach einigen Irrwegen als Ermüdungsbruch im Sitzbein diagnostiziert wurden. Ein absoluter Worst Case. Denn auch wenn die Prognose für eine vollständige Genesung ausgezeichnet ist, bedeutet so eine Verletzung erstmal mindestens zwei Monate Laufpause. Das Projekt Rotterdam Marathon war damit erstmal abgehakt.

Allerdings waren die Startnummer und das Hotel bereits bezahlt und der Urlaub genehmigt. Wir entschieden uns daher, trotzdem in die Niederlande zu fahren und einen kleinen Wochenendurlaub daraus zu machen. Wenn das Schicksal dir eine zitronenmäßige Breitseite gibt, dann mache das Beste daraus.

Ich wollte den Marathon dann aber trotzdem laufen. Einfach, um die Distanz mal wieder bewältigt zu haben. In den vergangen zwei Jahren war mein längster Lauf 35 Kilometer lang. Das war im Januar in Rodgau und es war genau dieser eine Lauf mit ebendieser Länge. Die meisten Dauerläufe bewegten sich im Bereich von 21-26 km. Im Hinblick auf den Ironman im Juli konnte es ja nicht schaden, mal wieder in das unbekannte Land jenseits der 35 km vorzustoßen.

Der Marathon sollte eine solide Trainingseinheit werden und etwas langsamer als mein gewohntes GA1 Tempo gelaufen werden. Die Vorgabe war im Bereich von 5:00-5:20 min/km. Um dem Ganzen noch etwas besonders zu geben, erinnerte ich mich an eine Schnapsidee, die ich vor einiger Zeit hatte: Einmal einen Marathon in einem Kostüm laufen. Was für eine Gelegenheit konnte dafür besser geeignet sein?

Und so kam es, dass mit perfekt gestähltem Oberkörper im Startblock des Rotterdam Marathons stand. Okay, der Oberkörper war aus Schaumstoff und Teil meines Baywatch-Kostüms.
Um es vorweg zu nehmen: Ja, das Kostüm war sehr heiß. Auch von den Temperaturen her. Ich habe schon nach einer halben Stunde geschwitzt wie in der Sauna. Aber das lies sich aufgrund des moderaten Tempos ganz gut aushalten. Außerdem entschädigte die Stimmung des Publikums für alles. Diese war nämlich fantastisch. Ich wurde eigentlich über den gesamten Lauf hinweg angefeuert und beklatscht. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Die Zuschauer waren extrem freundlich und amüsierten sich köstlich über diesen Typen in seinem Kostüm (also mich).

Leider stellte sich schnell heraus, dass nur sehr wenige Baywatch Experten anwesend waren. Die meisten Leute hielten mich für »Superman«, »Popeye« oder schlicht und ergreifend »Mr. Sixpack«. Ich habe mir mehr als einmal gewünscht, diese tolle Stimmung für schlechte Zeiten zu konservieren.

Abgesehen davon verlief der Lauf nach Plan. Bis etwa km 35 konnte ich recht locker laufen. Dann meldeten sich langsam meine Oberschenkel und das Laufen wurde etwas anstrengender. Das muss wohl so sein, wenn man im Training fast nie länger als 2 Stunden läuft. Ich kam trotzdem ohne große Beschwerden nach 3:41 h ins Ziel. Als ich dort allerdings erwischte mich ein fetter Wadenkrampf – und zwar gleichzeitig links und rechts. Das war wirklich knackig und erst nach zwanzig Minuten und einer hingabevollen Selbstmassage erledigt.

Heute, zwei Tage später, spüre ich noch eine leichte Erschöpfung in meinen Oberschenkeln. Das passt.

Ich kann den Rotterdam Marathon empfehlen, auch wenn man seriös und ohne Kostüm laufen will. Die Stimmung ist sehr gut und die Strecke abwechslungsreich und relativ flach. Allerdings sind einige Abschnitte ziemlich windanfällig.

Mit einem Kostüm zu laufen hat mir viel Spaß gemacht und die positive Resonanz war eine tolle Erfahrung. Ich kann nicht ausschließen, dass ich unter entsprechenden Umständen eine Wiederholung in Betracht ziehe.

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