Saisonabschluss beim Ironman 70.3 Rügen 2018

Triathlon ist ein Sommersport und darum finden sich die heimischen Wettkämpfe auch größtenteils zwischen Mai und September im Kalender. Zufällig dauerte meine persönliche Triathlonsaison in diesem Jahr auch vom Heidesee-Triathlon im Mai bis zum Ironman 70.3 auf Rügen im September. Auf dem Papier sieht so ein Zeitraum oft sehr kurz aus. Heute, einen Tag nach meinem Saisonfinale auf Rügen muss ich aber zugeben, dass ich auch froh bin, dass jetzt erstmal die Beine hochgelegt werden. Doch dazu später mehr.

Ich hatte mich bereits im November des vergangenen Jahres für das Rennen angemeldet. Im Frühjahr lag meine Aufmerksamkeit dann aber fast nur auf dem Ironman 70.3 Kraichgau und eben dem Ironman Klagenfurt. Mein persönlicher sportlicher Horizont endete nach der Langdistanz und dem anschließenden Urlaub. Dass danach noch zwei olympische Distanzen und eben der 70.3 kamen, verdrängte ich erfolgreich. Zum Glück hatte das mein Coach noch fest im Blick.

Nach meinem Urlaub war ein wenig die Luft raus. Die dreiwöchige Auszeit war wichtig für den geschundenen Körper. Und sie half mir auch, mental wieder fit zu werden. Nach so einem großen Jahreshighlight (und das war Klagenfurt ohne jeden Zweifel) fällt man leicht in ein mentales Loch, weil da eben das große Ziel auf einmal fehlt. Als ich wieder zurück war, war da auch wieder die Lust am Sport da. Aber – ganz ehrlich – nicht in der Intensität, wie ich sie im Frühjahr und Sommer verspürt hatte. Und so bin ich auch schon die letzten beiden Rennen über die olympische Distanz mit Mut zur Lücke (in der Vorbereitung) angegangen. Dieses Motto hatte mich schließlich auch erfolgreich durch mein Studium gebracht. Auf Rügen sollte für mich das gleiche Motto gelten. Realistisch betrachtet wollte und konnte ich okay schwimmen, gut radfahren und dann einfach durchlaufen, ohne zu spazieren.

Die Anreise nach Binz gestaltete sich erfreulich stressfrei mit der Bahn. Ich nutzte zum ersten Mal den Gepäckservice, der mein Bike im Koffer für knappe 30€ von meiner Haustür bis ins Hotel transportierte. Das funktionierte perfekt und als ich nach guten neun Stunden Bahnfahrt am Ziel ankam, wartete mein schwarzer Blitz bereits auf mich.

Ich reiste bereits am Mittwoch an und verbrachte die Tage vor dem Rennen mit dem letzten Training und langen Spaziergängen am Strand. Die Gegend rund um Binz ist wirklich ziemlich schön und lädt zum Entspannen und Entschleunigen an. Genau das Richtige für einen Triathlon. 

Ich fuhr im Vorfeld einmal die Radstrecke ab und war begeistert. Abgesehen vom teilweise recht starken Verkehr machte die Runde Spaß. Größtenteils toller Asphalt, faire Anstiege (ja, die gibt es auch auf Rügen) und einfach eine schöne Gegend. Auch wenn man davon im Rennen wohl nicht viel mitbekommt. Eine Runde schwimmen in der Ostsee gehörte ebenfalls zu meiner Vorbereitung. Das war, nun ja, etwas anderes als der heimische Baggersee. Wind, Wellen, Quallen. Wie sagt man gerne? Wenn es einfach wäre, würde man es nicht tun.

Am Renntag wurden wir von strahlender Sonne und einer 19 Grad warmen Ostsee erwartet. Der Tag versprach, toll zu werden. Ich sortierte mich bei den Schwimmern für 35-40 Minuten ein. Die Ostsee war zwar deutlich ruhiger als in den vergangenen Tagen, aber eine Schwimmleistung wie in Klagenfurt traute ich mir nicht ganz zu. Der Start erfolgte von Land aus im Rolling Start Modus. Da die Ostsee ziemlich flach ist, konnte man die ersten einhundert Meter mit großen Schritten hineinlaufen, um sich anschließend in die kühlen Fluten zu stürzen. Ich konnte irgendwie nicht in meinen Rhythmus finden und war weit davon entfernt, mich wie ein Delfin im Wasser zu fühlen. Eher wie einer an Land. Ich schwamm, Armzug für Armzug, aber es fühlte sich schwerfällig an. Aber es hilft ja nichts, die 1900 Meter wollen bewältigt werden. Nach der letzten Wendeboje führe die Strecke durch einen großen Schwarm von Quallen. Die waren zum Glück nicht giftig, aber trotzdem ziemlich unangenehm, so vom Gefühl her. Und vor allem war es für mich ungewohnt, mit Glibber im Bart zu schwimmen. Als ich aus dem Wasser stieg und auf meine Uhr blickte, war ich überrascht. Ich hatte über 46 min gebraucht und war mehr als 2200 Meter geschwommen. Das hatte ich so nicht erwartet. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, dass die Schwimmstrecke mutmaßlich zu lang war. Vermutlich waren eine oder mehrere Bojen durch den Wind versetzt worden. Das macht die Zeit zwar nicht gut, aber okay. Für den ersten Wechsel musste dann ein ziemliches Stück vom Schwimmausstieg bis zur Wechselzone gelaufen werden. Auf meiner Uhr hatte ich vom Schwimmausstieg bis zum Start der Radstrecke fast einen Kilometer Strecke. Und meinen höchsten Durchschnittspuls.

Und dann ging es endlich auf die Radstrecke. Ich hatte Bock und wegen der vermeidlich schlechten Leistung beim Schwimmen auch etwas Wut im Bauch. Auf den ersten zehn Kilometern herrschte etwas stärkerer Verkehr auf der Radstrecke, den ich aber konsequent überholte. Dabei blicke ich aber auch immer wieder auf meinen Radcomputer, um in einem vertretbaren Leistungsbereich zu bleiben. Zwischendrin trank ich pflichtbewusst alle 5 km aus meiner Gelflasche, um auch genügend Energie im Tank zu haben. Ich konnte die erste der beiden Radrunden in 1:13h zurücklegen, was mich zusätzlich motivierte. Auf meiner zweiten Runde war dann noch weniger los. Das machte Spaß. Generell empfand ich dieses Rennen extrem fair. Bei einer 45 km Runde und 1500 Startern hatte ich das nicht erwartet. Nach 2:30h bog ich dann in die zweite Wechselzone ab. Was für ein Ritt! Der Wechsel klappe problemlos und ich freute mich wieder mal über die separaten AWA Radständer und die niedrigen Beutelnummer. Ja, das ist natürlich nur ein Kundenbindungsprogramm von Ironman. Aber wenn ich denen schon tausend Euro im Jahr in den Rachen werfe, dann freue ich mich auch über die kleinen Annehmlichkeiten die es Leuten (wie mir) mit ausbaufähiger Orientierung leichter machen. Falls hier jemand von Ironman mitliest: Richtig toll wäre auch ein AWA Service für das Auseinanderbauen und Verpacken des Rades. Das war nach dem Rennen nämlich meine größte Herausforderung. Wieder einmal. Schreibt mir einfach mal, ich habe da tolle Ideen fürs Business!

Im Kraichgau und in Klagenfurt hatte ich echt eine tolle Form fürs Laufen. Momentan bin ich da aber weit entfernt. Die Distanz macht mir dabei keine Sorgen, so »ein halber« geht ja immer. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich den nicht schnell laufen konnte. Und darum ging ich es erstmal easy an. Nach den ersten Kilometern war mir aber klar, dass ich diesmal keine Schippe drauflegen konnte. Aber das war okay. Ich hatte keine Lust, nach der Hälfte der Strecke ins Ziel zu wandern. Beim Race Briefing hatte der Renndirektor erzählt, dass man auf der Laufstrecke zweimal den Klünderberg bezwingen muss. Ich hatte das für einen Scherz gehalten (ein Berg auf Rügen, höhöhö). Und natürlich hatte ich mir die Laufstrecke im Vorfeld nicht angeschaut. Aber ja, bei Kilometer sechs war da auf einmal jener Berg und der tat den müden Beinchen weh. Zum Glück mussten wir den wirklich nur zweimal erklimmen. Aber dafür halt von beiden Seiten. Nun ja. Wenn es einfach wäre, würden wir es ja nicht tun. Ich kam gut durch und freute mich, als ich auf die Zielgerade einbiegen durfte. Hier, im Zentrum von Binz waren viele Zuschauer, die Stimmung machten.

Letztendlich konnte ich das Rennen in 5:21 Stunden beenden, was meine zweitschnellste Zeit auf dieser Distanz darstellt. Für ein Spaßrennen ist das nicht schlecht. Für einen Saisonabschluss ist Rügen echt ein tolles Rennen – wenn man Glück mit dem Wetter hat. Eine tolle Strecke und die sensationelle Stimmung in Binz sind Grund genug, auf Rügen zu starten.

Die kommenden beiden Wochen stehen für mich im Zeichen der Entspannung. Kein Trainingsplan, kein frühes Aufstehen. Dafür wieder mal mehr Zeit auf die anderen schönen Dinge des Lebens verwenden und vielleicht etwas mehr schlafen. Und natürlich an den Plänen für die kommende Saison arbeiten.

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