Zu Besuch in Mainhattan – Frankfurt Marathon 2011

Am vergangenen Sonntag stand mein letzter großer Termin für 2011 auf dem Programm: der Frankfurt-Marathon. Ich hatte mir viel vorgenommen, und obwohl ich mein gestecktes Ziel verfehlt habe, habe ich eine neue persönliche Bestzeit erreicht und viel gelernt. Vor allem, dass man einen Marathon nicht planen kann.

Vorspiel

Der dritte Marathon stand an. Sowohl der dritte in diesem Jahr als auch der dritte überhaupt. Ich hatte diesmal die 3:45 ins Auge gefasst und war mir sicher, dass ich dieses Ziel bei meinem momentanen Trainingsstand erreichen konnte. Außerdem – das ist meine generelle Überzeugung – müssen Ziele immer so gesteckt sein, dass man sie vielleicht auch nicht erreicht.

Die wichtigen Punkte der Strecke ausgekundschaftetAm Samstag früh reisten wir mit der Bahn in die deutsche Finanzmetropole – und mussten uns erstmal ein wenig Zeit mit ein bisschen Sightseeing vertreiben, da wir erst um 15 Uhr ins Hotel einchecken konnten. Eine gute Gelegenheit, um die wichtigsten Punkte der Strecke schonmal auszukundschaften und sich die üblichen Tourismusmagneten anzuschauen.

Nach dem Check-in im Hotel ging es dann zum Messegelände, um die Startnummer und die üblichen Accessoires in Empfang zu nehmen. Anlässlich der 30. Auflage des Frankfurt Marathons gab es auch einen ganz brauchbaren Rucksack als Geschenk für die Läufer.

Danach schlenderte ich noch durch die Marathon Expo und holte mir am Asics-Stand ein Armband mit den Zwischenzeiten für meine 3:45er Zielzeit ab. Neben dem Armband bekam ich doch auch noch ein nettes Goodie für meine Begleitung: Einen Streckenplan,Klasse Service für meine Freundin auf dem einige „Beobachtungspunkte“ vermerkt waren, zusammen mit ÖPNV-Angaben für die Fahrt dorthin und auf meine Zielzeit angepasste Zeitangaben. Damit entfiel das händische Berechnen und der Zeiten und mühsame Heraussuchen der Fahrverbindungen. Ein wirklich genialer Service!

Am Abend gab es dann noch etwas zu essen, das mein Magen leider nicht so gut vertrug. Eigentlich habe ich einen sehr guten Magen, aber wenn ein Essen zu fettig ist, dann bekomme ich ab und an Probleme. Und genau das war am Samstagabend der Fall. Ich war aber sehr optimistisch, dass es am nächsten Morgen wieder gut sein würde.

Der Lauf

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker natürlich viel zu früh für einen Sonntag … aber es war ja schließlich nicht irgendein Sonntag. Es war Marathon Sonntag! Zum Frühstück gab es zwei Brötchen mit süßem Aufstrich – das hatte sich bewährt. Am Tag zuvor hatte ich sehr viel getrunken, sodass ich beim Frühstück nur ein paar Schlucke Tee zu mir nahm. Ich wollte während des Laufs nämlich auf keinen Fall einen Boxenstopp einlegen müssen.

Die Anspannung steigt langsam anNach dem Warmlaufen begab ich mich in meinen Startblock und suchte mir einen Platz in der Nähe des 3:44 Zugläufers. Die letzten Minuten vor dem Start brachen an. Das übliche Procedere: Schuhe noch einmal binden. Knoten wieder öffnen und erneut binden, diesmal richtig. Dann den Forerunner scharf stellen und einen Satelliten suchen lassen. Letze Dehnübungen, die sicherlich nur mental entspannen. Dann ist irgendwann der Countdown dran. Die letzen 5 Sekunden werden herunter gezählt und mit dem Startschuss steigt eine Wolke von Ballons in die Luft. Etwa sieben Minuten später überquerte ich die Startlinie und startete meine Uhr.

Die ersten zehn Kilometer vergingen schnell und ohne Probleme. In der Innenstadt gab es einige Engstellen, die das Durchkommen erschwerten und fast zu kleinen Staus führen, aber die Läufer nehmen genug Rücksicht und es klappte immer irgendwie. An denBei km 18 - leicht verschwitzt Verpflegungsstellen sah es da ganz anders aus. Wie schon bei meinen letzen beiden Marathons kam es hier immer wieder zu Staus, da sich direkt an den ersten Tischen Menschentrauben bildeten. Ich lies die ersten Verpflegungspunkte links (bzw. rechts) liegen und lief weiter, da ich noch keinen Durst verspürte. Immer dem Zugläufer hinterher, an dem der gelbe Luftballon mit der großen 3:44 darauf hängt. Km 10 erreichte ich in 0:52:41 und damit sogar einige Sekunden vor der geplanten Zeit. Am nächsten Versorgungspunkt nahm ich dann mein erstes Gel und einen Becher Wasser. Von nun an trank ich alle 5 km 1-2 Becher.

Die nächsten Kilometer bis zur HM-Marke liefen optimal. Ich konnte eine recht konstante Geschwindigkeit laufen und blieb dem Zugläufer dicht auf den Fersen. Bei km 15 nahm ich mein zweites Gel. Den ersten Halbmarathon beendete ich 1:50:59, was einer neuen persönlichen Bestzeit entspricht. Im Vergleich zu meinem Plan habe ich zu diesem Zeitpunkt schon einen ordentlichen Puffer. Kein Zeichen von Ermüdung. Die Beine waren noch locker und ich bildete mir zumindest ein, dass ich noch ein Lächeln auf dem Gesicht hatte. Man könnte auch sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt absolut im Flow bin. So macht Laufen Spaß. Daran änderte sich auch bis km 30 nicht viel.

Ganz locker, kurz bevor sich mein Magen meldeteAn den Verpflegungspunkten an km 25 und 30 nahm ich noch jeweils ein Gel zu mir und trank einige Becher. Nur einen Kilometer später merkte ich, dass in meinem Magen irgendetwas nicht stimmt. Aus einem leichten Unwohlsein werden schnell leichte Krämpfe. Ich nahm erstmal Tempo raus und versuche durch ruhige Atmung und einer leichten Massage meines Bauchs das Schlimmste abzuwenden. Bis zu diesem Moment ist es doch so gut gelaufen, das kann es doch nicht gewesen sein! schiesst es mir durch den Kopf. Gleichermaßen gehen meine Gedanken in die Richtung meines letzten Abendessens. IchDer Schmerz geht, aber der Stolz bleibt für immer! dachte einige Kilometer darüber nach, ob ich nicht einfach aufhören soll. Aber mit jedem Kilometer, den ich mir für diese Überlegung Zeit lasse, geschehen zwei Dinge: Ich komme dem Ziel näher und mein Zustand verbessert sich wieder leicht. Bei km 37 oder 38 steht dann mein Entschluss fest: Ich werde diesen Lauf zu Ende bringen. Denn auch wenn mein angepeiltes Ziel nicht mehr drin war, eine neue persönliche Bestzeit lag immer noch im Bereich des Möglichen.

Und so erreichte ich schließlich in 3:49:50 das Ziel in der Festhalle und verbesserte dadurch meine persönliche Bestzeit um über acht Minuten.

Danach

Nach dem Lauf war mein Akku komplett leer. Es fühlte sich an, als ob mein Körper und vor allem meine Beine regelrecht von Schmerzen durchströmt wurden. Gleichermassen wurde ich aber auch von diesem besonderen Glücksgefühl durchströmt, das man nach einem Finish verspürt. Ich habe bei diesem Marathon sehr viel gelernt, vor allem über mich. Ich bin auch sehr froh, dass ich beim km 31 nicht das Handtuch geworfen habe, sondern weitergelaufen bin.

Abgesehen von diesen Erfahrungen fand ich den Frankfurt-Marathon sehr schön. Es waren fast überall viele Zuschauer an der Strecke und vom Veranstalter gab es ebenfalls ein schönes Rahmenprogramm. Die Strecke war abwechslungsreich und erfreulich flach. Einzig ein paar Engstellen sind mir negativ aufgefallen. Für mich ist der Frankfurt-Marathon ein heißer Kandidat für meine Jahresplanung 2012.

Oh ja, und ich finde es auch sehr schade, dass ich es nicht geschafft habe, einen meiner virtuellen Mitläufer vom #twitterlauftreff in echt zu treffen – hoffentlich klappt das beim nächsten Mal!

 

 

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